Neuer Ansatz zur Behandlung von Leberkrebs
An der Entwicklung eines therapeutischen Impfstoffes zur Behandlung von Leberkrebs arbeiten zur Zeit Wissenschaftler um Prof. Dr. Hans-Georg RAMMENSEE vom Interfakultären Institut für Zellbiologie (IFIZ) der Eberhard Karls Universität Tübingen.
Derzeit gibt es nach der chirurgischen Entfernung von Lebertumoren keine erfolgreiche begleitende Therapie, die ein mögliches Wiederauftreten des Krebses verhindert. Chemotherapeutische Ansätze wirken kaum.
Krebszellen unterscheiden sich von normalen Zellen durch bestimmte Veränderungen, die zum Beispiel durch Mutationen in der Erbsubstanz hervorgerufen werden. Das Immunsystem kann diese Veränderungen erkennen. Bei den meisten Krebserkrankungen erfolgt jedoch keine oder nur eine unzureichende Immunreaktion des Körpers gegen den Tumor, da sich Krebszellen gegen die körpereigene Immunabwehr mit einer Reihe von Gegenmaßnahmen wehren können.
Auch Leberkrebs wird durch Mutationen ausgelöst. Die genetischen Veränderungen sind bei den Patienten individuell verschieden. Bisher galt es als unmöglich, die mutierten Peptide für jeden einzelnen Patienten zu ermitteln und für therapeutische Zwecke einzusetzen. Ziel der Tübinger Forscher ist nun, die Veränderungen jeweils individuell zu identifizieren und als Krebsantigene zu nutzen, um einen tumorspezifischen Impfstoff herzustellen. Für jeden Patienten wird dann eigens eine Zusammenstellung der in seinen Krebszellen veränderten Peptide hergestellt, mit denen er individuell immunisiert wird. Dadurch werden die Krebszellen für das Immunsystem sichtbar und können bekämpft werden.
Daneben soll auch nach mutierten oder anderweitig veränderten Peptiden gesucht werden, die in mehr als nur einem Krebspatienten relevant sind. Mithilfe eines Cocktails aus derartigen veränderten Proteinen ließe sich dann ein bei vielen Patienten anwendbarer Impfstoff gegen Leberkrebs herstellen. An den Forschungen sind weitere Einrichtungen aus Tübingen beteiligt: die Universitätsklinik für Allgemeine, Viszeral- und Transplantationschirurgie, das Institut für Pathologie und die Medizinische Genetik. Sie werden vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit mehr als 1 Mio. € unterstützt. Die klinische Prüfung, also die Impfung der ersten Patienten, wird frühestens in der zweiten Jahreshälfte 2012 beginnen. Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 15.02.2010
Den Artikel finden Sie auch in Ernährungs Umschau 07/10 auf Seite 356, weitere Kurzberichte ab Seite 348.
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