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Evolutionäre Ernährungswissenschaft und ,steinzeitliche‘ Ernährungsempfehlungen – Stein der alimentären Weisheit oder Stein des Anstoßes?

Teil 1: Konzept, Begründung und paläoanthropologische Befunde

Alexander Ströhle, Andreas Hahn, Hannover

Im Jahre 1985 publizierten die beiden US-Amerikaner S. Boyd Eaton und Melvin J. Konner im New England Journal of Medicine einen Artikel zu den präventivmedizinischen Implikationen der Steinzeiternährung (Paleolithic Nutrition; Paleo Diet). Ihre Thesen sollten Furore machen. Heute, gut 20 Jahre danach, ist die Steinzeiternährung zwar nicht in aller, aber doch in vieler Munde – sowohl begrifflich-abstrakt als auch materiell-konkret. Zu diesem Umstand haben nicht zuletzt verschiedene populärwissenschaftlich ausgerichtete ,Ernährungsratgeber‘ beigetragen, die sich das Etikett evolutionsbiologischer Kompetenz geben.

In vielen Disziplinen gibt es die Bestrebung, biotische Sachverhalte auf dem Boden der Evolutionstheorie zu interpretieren, so auch in der in der Ernährungswissenschaft (,Evolutionäre Ernährungswissenschaft‘). Mit Einführung eines solchen ultimaten Ansatzes ist methodisch die Hoffnung verbunden, dem Ziel der angewandten Ernährungswissenschaft, nämlich der Definition einer in präventivmedizinischer Hinsicht ,optimalen‘ Ernährung, näher zu kommen.

Das in diesem Zusammenhang relevante normative Postulat der Steinzeiternährung (,Paleo Diet‘) lautet, dass die ,optimale‘ Ernährung des Menschen in qualitativer als auch in quantitativer Hinsicht aus den Lebensmitteln bestehen sollte, die unsere Vorfahren in der Zeit der ,Menschwerdung‘ konsumiert haben. ,Nicht-paläolithischeLebensmittel hingegen sind vom Speiseplan zu streichen, wenn Krankheiten vermieden werden sollen. Begründungstheoretisch lassen sich bei der ,Paleo Diet‘ mehrere evolutionsgenetische und -ökologische Thesen differenzieren, die aber alle in Verbindung zum Anpassungsparadigma stehen.

Die Thesen zur ,Steinzeiternährung‘ erscheinen zwar schlüssig, beruhen aber zumeist auf einem einseitig (gen-)adaptationistischen Evolutionsverständnis. Insbesondere die fehlende Differenzierung von Aptation (,Passung‘) und Adaptation (,Anpassung‘) führt zu logischen Fehlschlüssen. Abgesehen von den Theorie immanenten Problemen bestehen empirische Schwierigkeiten, was die Rekonstruktion der paläolithischen Ernährung anbelangt. Die archäometrischen Daten erlauben es allenfalls, bestimmte evolutive Trends zu erkennen.

Die für die Humanevolution entscheidende Veränderung im Ernährungsverhalten vollzog sich vor etwa 2,5 Mio. Jahren. Charakteristisch hierfür ist die Zunahme der Energiedichte der Nahrung einerseits, und – zeitlich später – die verbesserte Ausnutzung der Nährstoffe durch die Verwendung des Feuers andererseits. Dieser Trend zur Energiemaximierung der Nahrung hält bis heute an. In Anlehnung an den Beitrag „Die Steinzeiternährung: ein (un)zeitgemäßes Ernährungsprogramm?“ [33] im Rahmen der DGE-Arbeitstagung „Aktuelle Aspekte in der Ernährungsbildung und -beratung“ am 29. und 30. September 2005 im Heinz Nixdorf MuseumsForum Paderborn.

Den vollständigen Artikel finden Sie in Ernährungs-Umschau 01/06 ab Seite 10.

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