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Autoimmunerkrankungen: Neuer Wirkmechanismus von therapeutischen CD4-Antikörpern entdeckt

  • 01.11.2013
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  • Redaktion

Richten sich Immunzellen gegen körpereigene Gewebe, entsteht eine Autoimmunerkrankung wie bspw. Morbus Crohn oder rheumatoide Arthritis. Die Behandlung ist langwierig und hat viele schwere Nebenwirkungen. Einen neuen vielversprechenden Ansatz verfolgen Mediziner mit sog. CD4-blockierenden therapeutischen Antikörpern. Wissenschaftler des TWINCORE in Hannover, einer gemeinsamen Forschungseinrichtung der Medizinischen Hochschule Hannover und des Helmholtz Zentrums für Infektionsforschung, haben nun einen Wirkmechanismus entdeckt, der neue Perspektiven für diese Antikörpertherapie eröffnet.

Drei Immunzellriegen spielen bei der Entstehung von Autoimmunerkrankungen eine zentrale Rolle: dendritische Zellen, T-Helferzellen und regulatorische T-Zellen. Alle diese Zelltypen tragen CD4-Rezeptoren auf ihrer Oberfläche und an diesen Rezeptoren greifen die neuen therapeutischen Antikörper an. Sie blockieren den CD4-Rezeptor. Was dann genau in der Immunkaskade geschieht ist noch nicht klar.

„Die Behandlung mit CD4-Antikörpern ist deshalb so interessant“, erklärt Dr. Christian Thomas MAYER vom Institut für Infektionsimmunologie am TWINCORE, „weil sich Immunreaktionen damit wahrscheinlich selektiver ausschalten lassen und somit die gewünschte Immunreaktion auf Infektionserreger erhalten bleibt.“ Der Grund: Es werden nur übereifrige Immunzellen zum Zeitpunkt der Behandlung durch den Antikörper gebremst. Bei einer Autoimmunerkrankung würden genau diese die Krankheit auslösen, und die Behandlung sorgt dafür, dass das Immunsystem den Auslöser dieser falschen Immunreaktion zu tolerieren lernt. Später eintreffende Fremdkörper wie etwa Krankheitserreger würden dann – theoretisch – vom Immunsystem wieder bekämpft werden.

Bislang gingen die Wissenschaftler davon aus, dass besonders die CD4-Rezeptoren auf den regulatorischen T-Zellen für diese Toleranz zuständig sind. „Wir haben die Therapie mit CD4-Antikörpern nun mit Mäusen getestet, die eine starke Autoimmunerkrankung zeigen, aber gar keine regulatorischen T-Zellen besitzen“, sagt Christian Thomas MAYER. Der TWINCORE-Wissenschaftler hat beobachtet, dass die CD4-Antikörper auch direkt auf die T-Helferzellen wirken, also unabhängig von den regulatorischen T-Zellen sind.

Damit stehen für die Behandlung von Autoimmunerkrankungen, bei denen die regulatorischen T-Zellen blockiert sind oder ganz fehlen, neue Möglichkeiten offen. „Es wäre sogar denkbar, die Therapie mit CD4-Antikörpern mit einer Stärkung der regulatorischen T-Zellen zu kombinieren“, so der Immunologe. „Als nächstes müssen wir nun untersuchen, ob es möglich ist, durch eine solche Kombinationstherapie die Autoimmunerkrankung zu beherrschen, ohne die Infektabwehr zu unterdrücken“, sagt Prof. Tim SPARWASSER, Direktor des Instituts für Infektionsimmunologie am TWINCORE.
Literatur:
1. Mayer CT, Huntenburg J, Nandan A et al. (2013) CD4 blockade directly inhibits mouse and human CD4+ T cell functions independent of Foxp3+ Tregs. J Autoimmun [in press]
2. Mayer CT, Tian L, Hesse C et al. (2013) Anti-CD4 treatment inhibits autoimmunity in scurfy mice through the attenuation of co-stimulatory signals. J Autoimmun [in press]
Quelle: Twincore, Pressemeldung vom 26.09.2013 (01.11.13)

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