Ernährungsumschau
© Erwin Wodicka/BilderBox.com
© Erwin Wodicka/BilderBox.com

Säurebelastung, viel Eiweiß und wenig Obst, können bei Kindern zu höherem Blutdruck führen

  • 04.10.2013
  • News
  • Redaktion

Bluthochdruck ist in westlichen Industrienationen ein weit verbreitetes Gesundheitsproblem, er hat seine Wurzeln zum Teil in der Kindheit. Forscher der DONALD-Studie an der Universität Bonn konnten in einer aktuellen Untersuchung zeigen, dass der Säure-Basen-Haushalt möglicherweise von Bedeutung für die langfristige Blutdruckentwicklung im Kindesalter ist. Die Ergebnisse werden nun in der Fachzeitschrift „Kidney International“ vorgestellt.

Viel Salz und wenig Obst und Gemüse können auch bei Kindern zu einer Erhöhung des Blutdrucks beitragen. Aktuelle Studien bei Erwachsenen legen nahe, dass eine leichte Verschiebung des Säure-Basen-Stoffwechsels in Richtung einer höheren Säurebelastung (Azidifizierung) ebenfalls zu einem Blutdruckanstieg führen kann. Eine solche moderate, noch nicht klinisch bedeutsame Azidifizierung entsteht z. B. bei leichten fieberhaften Infekten, nach übermäßiger sportlicher Aktivität und bei ungünstiger Ernährung. Die ernährungsabhängige Säurelast ist besonders hoch, wenn sehr eiweißreich gegessen wird – also viel Fleisch, Wurst und Hartkäse verzehrt werden. Aber auch Brot und Getreideprodukte tragen zu einer erhöhten nutritiven Säurelast bei, wohingegen reichlich Obst, Gemüse und Kartoffeln durch ihren hohen Gehalt v. a. an Kalium und Magnesium alkalisierend wirken.

Die Wissenschaftler des Dortmunder Außenlabors „DONALD Studie“ der Universität Bonn haben nun durch umfangreiche wiederholte Biomarker-Untersuchungen an 257 Kindern zeigen können, dass nicht nur die durchschnittliche Säurelast in einem Zusammenhang mit dem Blutdruck steht, sondern auch, dass bei denjenigen Kindern, bei denen sich die ernährungsabhängige Säurebelastung im Studienverlauf deutlich erhöhte, im Mittel ein Blutdruckanstieg erfolgte.

„Das Besondere an diesen Ergebnissen ist, dass wir diesen Einfluss bei gesunden Kindern völlig unabhängig von deren Salzzufuhr sehen“, sagt der Studienleiter Prof. Dr. Thomas REMER.
„Unsere Daten legen nahe, dass bei einer eher ungünstigen Ernährung durch das alkalisierende Potenzial von ca. 300 g zusätzlich verzehrtem Gemüse und Obst – z. B. ein Apfel und eine Banane –, ein Blutdruckanstieg im Studienverlauf von fast 1 mmHg verhindert werden könnte. Eine nahezu vergleichbare Blutdrucksenkung wurde in Interventionsstudien bei Kindern mit einer um 40 % reduzierten Salzzufuhr beobachtet“, berichtet Erstautorin Danika KRUPP aus der Arbeitsgruppe von Prof. REMER.

Eine Verminderung der Säurelast mit der Ernährung könnte somit für die langfristige Entwicklung des Blutdrucks bei Kindern von Bedeutung sein. Daneben hat ein hoher Obst- und Gemüseverzehr – also eine alkalireiche Kost – auch positive Effekte auf den Knochenstoffwechsel und die Vermeidung von Harnsteinen. Im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung ist es somit wichtig, das azidifizierende Potenzial von eiweißreichen Lebensmitteln durch einen hohen Verzehr von alkalisierenden pflanzlichen Lebensmitteln auszugleichen – eben durch reichlich Obst, Gemüse und Kartoffeln.
Literatur: Krupp D, Shi L, Remer T (2013) Longitudinal relationships between diet-dependent renal acid load and blood pressure development in healthy children. Kidney International DOI: 10.1038/ki.2013.331]

Kontakt: Prof. Dr. Thomas REMER, Universität Bonn, IEL – Ernährungsepidemiologie, Außenlabor DONALD Studie am Forschungsinstitut für Kinderernährung Dortmund, E-Mail: remer@uni-bonn.de Quelle: Universität Bonn, Pressemeldung vom 11.09.2013 (04.10.13)

Das könnte Sie interessieren
Lupinenfeld. © Foto Fraunhofer IVV
Fraunhofer Institut entwickelt Erfrischungsgetränk aus Lupinen weiter
Vegane Wurst auf Teller. © dourleak / iStock / Thinkstock
Fleischalternativen dürfen weiterhin "Schnitzel" heißen weiter
PD Dr. Volker Böhm. © Jan-Peter Kasper/FSU
Ehrung für Wissenschaftler Volker Böhm weiter
Gemüse und Fleisch. © tbralnina / iStock / Thinkstock
Fortbildung zur ketogenen Diät weiter
Baby und Mutter beim Stillen. © RomanovaAnn / iStock / Thinkstock
Forschungsvorhaben zum Thema Stillverhalten gestartet weiter
Jenaer Wissenschaftler liefern "fette Infos" für einen gesünderen Lebensstil weiter