Ernährungsumschau

PYY(3-36): Doch kein Durchbruch in der Adipositas-Forschung!?

  • 15.07.2004
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  • Redaktion

In der Juni-Ausgabe veröffentlichte das Wissenschaftsmagazin Nature eine ungewöhnliche Publikation, in der die vor 2 Jahren in derselben Zeitschrift berichtete appetithemmende Wirkung des Darmhormons PYY(3-36) bezweifelt wird. Ein Team unter Leitung von M. Tschöp und H.G. Joost vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke testete gemeinsam mit 36 Wissenschaftlern aus 12 verschiedenen Institutionen die Wirkung des Hormons unter Anwendung neuester Methoden der Appetit- und Adipositasforschung. Überraschenderweise konnte in zahlreichen verschiedenen Versuchsanordnungen keinerlei Hemmung von Futteraufnahme oder Gewichtszunahme nach akuter oder chronischer Applikation festgestellt werden.  PYY(3-36) war als Durchbruch in der Adipositas-Forschung gefeiert worden (Batterham et al. Nature 418, 650 – 654 [2002]); weltweit sahen Wissenschaftler und Öffentlichkeit die Arbeit als Meilenstein auf dem Weg zu einer wirksamen und verträglichen Therapie der Adipositas an. Die jetzt publizierten, bei weitem ausführlicheren und detaillierteren Daten der internationalen Gruppe um Tschöp sind deshalb überzeugender, weil die Versuche unabhängig voneinander in 7 verschiedenen Universitäts-Laboratorien und 5 Forschungseinrichtungen der pharmazeutischen Industrie durchgeführt wurden. Zudem wurden ausgedehnte Serien von Kontrollen durchgeführt, die die biologische Aktivität der Substanz in anderen Versuchssystemen sowie die Empfindlichkeit der Versuchstiere gegenüber appetithemmenden Substanzen belegten. Die Autoren dieser aufwändigen Studie hatten eigentlich beabsichtigt, die Forschung zum Therapieprinzip PYY(3-36) voranzutreiben, und hatten die negativen Ergebnisse nicht erwartet. Mit der Publikation der Daten sollen Adipositas- und Diabetesforscher weltweit auf eine potenzielle Sackgasse auf dem schwierigen Weg zu einem wirksamen und sicheren Adipositasmedikament aufmerksam gemacht werden, um die Verschwendung wertvoller Ressourcen zu verhindern. Weitere Details unter www.pyyobesity.com. (15.07.04)

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