Ernährungsumschau

Hormonskandal weitet sich aus

  • 16.07.2002
  • News
  • Redaktion

Am 14. Juli 2002 wurde das Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft durch das europäische Schnellwarnsystem darüber informiert, dass weitere Futtermittel, die mit dem Hormon Medroxy-Progesteron-Acetat (MPA) belastet sind, in großem Umfang nach Deutschland, Belgien, Dänemark, Schweden und Frankreich gelangt sind. Die aus den Niederlanden stammenden Futtermittel gingen nach bisherigen Erkenntnissen mindestens in die Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Bayern. Die Auswertung des Warnhinweises läuft noch.

Nach jüngsten Informationen sind etwa 8 500 Tonnen mit 1 300 Lieferungen von Futtermitteln, die möglicherweise mit dem Hormon MPA belastet waren, nach Deutschland gelangt. Bislang sind 160 Bauernhöfe und 12 Futtermittelbetriebe in Nordrhein-Westfalen (NRW) gesperrt worden, teilte NRW-Agraministerin Höhn mit. Wie lange die Sperrungen andauern würden, sei noch offen.

Als Verursacher gilt das inzwischen Pleite gegangene belgische Unternehmen Bioland (nicht zu verwechseln mit der deutschen Ökolandwirtschaftsorganisation). Die Firma steht in Verdacht, Abfälle eines irischen Pharma-Konzerns in Futtermelasse und Glukosesirup gemischt und in verschiedene EU-Länder exportiert zu haben.

Insgesamt sind inzwischen 11 EU-Mitgliedstaaten von dem Skandal betroffen. In Österreich, Finnland, Griechenland und Irland konnten noch keine Hormonrückstände nachgewiesen werden. In einer Experten-Sitzung in Brüssel hatten sich am 12. Juli 2002 Vertreter der EU-Kommission, der Niederlande, Belgiens und Deutschlands darauf verständigt, EU-weit so vorzugehen, alle möglicherweise belasteten Futtermittellieferungen nachzuverfolgen und – im Falle eines positiven Befundes in Futtermitteln – die damit gefütterten Tiere erst nach analytischem Negativbefund für die Vermarktung freizugeben. Die EU-Kommission hat für heute eine weitere Sondersitzung des Ständigen Ausschusses für die Lebensmittelkette und Tiergesundheit anberaumt, auf der aktuell informiert und über das weitere Vorgehen beraten werden soll. Die Kommission erhofft sich davon vor allem genauere Informationen über die Herkunft und den Verbleib der kontaminierten Ware. Nach EU-Angaben sind Handelssperren, die über eine Sperrung der betroffenen Betreibe hinausgehen, zurzeit nicht geplant. 16.07.02

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