Ernährungsumschau

Alternativen beim Einsatz transgener Tiere

  • 20.07.2009
  • News
  • Redaktion

Seit Jahren steigt die Anzahl der Versuchstiere, die für wissenschaftliche Zwecke verwendet werden. Dieser Anstieg wird auch auf den vermehrten Einsatz transgener Tiere zurückgeführt. Transgene Tiere sind genetisch veränderte Organismen, bei denen Gene ausgeschaltet oder herunter reguliert wurden oder denen artfremdes genetisches Material in das eigene Erbgut eingebaut wurde. Als Krankheitsmodelle sind sie beispielsweise geeignet, menschliche Erkrankungen wie Diabetes, Krebs oder Alzheimer zu imitieren.

Durch derartige Modellorganismen werden die Erforschung der Krankheiten und die Entwicklung von Therapien erleichtert und verbessert, in manchen Fällen sogar überhaupt erst ermöglicht. Im Jahr 2007 sind allein in Deutschland etwa 2,7 Mio. Wirbeltiere für Tierversuche und andere wissenschaftliche Zwecke eingesetzt worden.

Ende Mai 2009 diskutierten Experten aus sieben europäischen Ländern und aus Australien im Rahmen eines internationalen Workshops im BfR über den Einsatz transgener Tiere in der Forschung. Im Zentrum der Diskussionen standen Möglichkeiten und Strategien, um die steigende Anzahl der Versuchstiere zu reduzieren. Leitlinie der Diskussion war das sogenannte 3R-Prinzip, demzufolge Tierversuche möglichst ersetzt (Replace), verringert (Reduce) oder das Leiden der Tiere im Experiment vermindert (Refine) werden sollen.

Die Experten befassten sich mit Methoden, die Versuche mit transgenen Wirbeltieren möglicherweise zukünftig ersetzen können. Dazu zählt beispielsweise der Einsatz alternativer Modellorganismen wie der Fruchtfliege Drosophila melanogaster oder des Fadenwurms Caenorhabditis elegans. Aber auch bestimmte Zellkulturexperimente sind geeignet Versuche mit transgenen Tieren zu ersetzen oder zumindest die Anzahl der benötigten Versuchstiere zu verringern. So wurde auf dem Workshop zum Beispiel eine Technik vorgestellt, die es erlaubt, menschliche Antikörper ohne den Einsatz gentechnisch veränderter Tiere herzustellen. Bisher werden hierfür vielfach noch immer gentechnisch veränderte Mäuse verwendet.

Aber auch Maßnahmen wie verbesserte Zucht- und Reproduktionsmethoden oder eine verbesserte Ausbildung der Experimentatoren und Tierpfleger kann die Zahl der Versuchstiere verringern. Gut ausgebildetes Personal trägt dazu bei, Schmerz, Leid und Unbehagen der Tiere zu minimieren und verbessert zugleich die Qualität der gewonnenen Daten aus Tierversuchen. In der Folge wird die notwendige Anzahl der Tiere je Untersuchungsgruppe verringert, und weniger Wiederholungen der Versuche sind notwendig.

Durch die verbesserte Dokumentation bereits durchgeführter Versuche mit transgenen Tieren und die kostenlose Bereitstellung der Daten und Ergebnisse zu Forschungszwecken in einer zentralen Datenbank könnte nach Ansicht der Fachleute die Zahl der Versuchstiere reduziert werden.

Das größte Potenzial, um die Versuchstierzahlen in naher Zukunft zu senken, sahen die Experten in den Möglichkeiten, einzelne Fragestellungen verstärkt in in-vitro-Modellen, also in Zell- und Gewebekulturen, zu untersuchen. Der Einsatz dieser Modelle würde auch bei bisher nicht ersetzbaren Tierversuchen die Anzahl der Versuchstiere verringern. Das heißt, die Zahl der benötigten Tiere sinkt auch dort, wo auf Tierversuche aus wissenschaftlichen Gründen nicht verzichtet werden kann.

Der Bericht zum Workshop "Alternativen beim Einsatz transgener Tiere" wird voraussichtlich im Herbst 2009 als kostenloses pdf-Dokument auf der BfR-Homepage zur Verfügung gestellt. Quelle: Bundesinstitut für Risikobewertung (20.07.09)

Das könnte Sie interessieren
Krebskranke Frau im Krankenhaus. © KatarzynaBialasiewicz / iStock / Thinkstock
Gesunde Ernährung und Bewegung beugen vor weiter
© altrendo images / Stockbyte / Thinkstock
Entwicklung und Test eines Messinstruments zur „nutrition literacy" weiter
© mheim3011 / iStock / Thinkstock
Barmer GEK berichtet von deutlich mehr Betroffenen weiter
© KatarzynaBialasiewicz / iStock / Thinkstock
Forscher entdecken Verbindung zwischen Epilepsie und Essstörungen weiter
© Mike Watson Images / moodboard / Thinkstock
Alter beeinträchtigt zellulären Eiweißabbau weiter
© Magone / iStock / Thinkstock
Superfoods – zwischen Chancen und Risiken weiter