Ernährungsumschau

Alte Zöpfe abschneiden – Verzicht-Diät für Dialysepatienten nicht mehr zeitgemäß

  • 23.11.2009
  • News
  • Redaktion

Menschen, die aufgrund eines chronischen Nierenversagens auf die Dialyse angewiesen sind, leiden häufig an verschiedenen zusätzlichen Erkrankungen, wie Diabetes, Herzinsuffizienz und Bluthochdruck. Das Risiko, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden, ist bei Dialysepatienten gegenüber der normalen Bevölkerung deutlich erhöht, in der Gruppe der 35- bis 44-Jährigen ist es z. B. etwa 100-fach höher als in der Allgemeinbevölkerung. Einen wichtigen Faktor für die Entwicklung dieser Komplikationen stellt eine chronische Entzündung (Inflammation) dar. Für die Entstehung und Behandlung der chronischen Inflammation spielt wiederum die Ernährung eine besondere Rolle.

„Eine klassische Verzicht-Diät für Patienten, die aufgrund eines Nierenversagens dauerhaft auf die Dialyse angewiesen sind, ist nicht mehr zeitgemäß,“ sagte Prof. Dr. Martin KUHLMANN, Vivantes Klinikum Berlin-Friedrichshain, anlässlich einer Fachtagung der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM) im schwäbischen Irsee. Bislang wurde den Patienten häufig empfohlen, auf Obst und Gemüse wegen des Kaliumgehaltes ganz zu verzichten und die Eiweißzufuhr wegen der damit verbundenen Phosphatzufuhr zu reduzieren. Mit diesen Empfehlungen kann es jedoch langfristig zur Entwicklung einer Mangelernährung mit Verlust an Fett- und Muskelmasse kommen.

Um einer Unterernährung und auch der chronischen Inflammation vorzubeugen, empfiehlt KUHLMANN auch für Dialysepatienten eine typisch mediterrane Kostform. Im Unterschied zum Nierengesunden sollte allerdings die täglich zugeführte Menge an Obst und Gemüse in Absprache mit dem behandelnden Arzt festgelegt werden, um eine exzessive Kaliumzufuhr zu vermeiden. Vitamin C kann das Risiko einer chronischen Entzündung mindern. Für Dialysepatienten ist eine ausreichende Versorgung damit wünschenswert. Die tägliche Kochsalzaufnahme sollte 6 g möglichst nicht überschreiten, eine Empfehlung, die auch den Richtlinien der WHO für Nierengesunde entspricht. Da die Erkrankung für einen erhöhten Kalorien- und Eiweißbedarf sorgt, wird Dialysepatienten eine tägliche Kalorienzufuhr von 30–35 kcal/kg Körpergewicht und eine Eiweißzufuhr von 1,0–1,2 g/kg Körpergewicht empfohlen. Zum Vergleich: Für gesunde Menschen gelten 20–25 Kcal/kg Körpergewicht und 0,75–0,95 g Eiweiß/kg Körpergewicht.

Durch falsche Ernährung wird laut KUHLMANN bei Dialysepatienten eine ganze Kaskade von Nachfolgeerscheinungen ausgelöst. So steige das Risiko von zusätzlichen Erkrankungen, chronischen Entzündungen, Bluthochdruck und Herzerkrankungen. Bei unzureichender Eiweiß- und Kalorienzufuhr werde der Körper geschwächt und schnell stellen sich Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Appetitverlust, Muskelabbau und Depressionen ein. Der Appetitverlust sorgt dann zusätzlich für eine noch geringere Energiezufuhr. Dementsprechend entwickelt sich eine Mangelernährung, die den Teufelskreis in Gang hält. Wichtig ist deshalb, bei jedem Dialysepatienten den Ernährungszustand regelmäßig zu untersuchen und bei einer Verschlechterung frühzeitig Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Informationen, Erhebungsbögen und andere Werkzeugen zur Feststellung einer Mangelernährung gibt es unter www.dgem.de. Besteht bereits eine Mangelernährung, so sollte versucht werden, diese zunächst mit der zusätzlichen Gabe von hochkalorischer und eiweißreicher Trinknahrung aufzufangen. In jedem Fall sollte eine professionelle Ernährungsberatung den Patienten bei der Zusammenstellung seiner Ernährung unterstützen.

Da viele Dialysepatienten auf die Transplantation eines neuen Organs warten, ist die ein guter Ernährungsstatus auch im Hinblick auf die Erhaltung der Transplantationsfähigkeit wichtig. Bei Patienten mit einem schlechten Ernährungsstatus, Mangelernährung und eventuell bereits vorhandenen Mehrfahrerkrankungen steigt das Risiko, nicht transplantierfähig zu sein, immens. Quelle: DGEM (23.11.09)

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