Ernährungsumschau
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MRI: Oft überversorgt durch Nahrungsergänzungsmittel

  • 28.08.2013
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Nahrungsergänzungsmittel sind ein Verkaufsschlager für Drogerien und Apotheken. Geworben wird dafür mit einer angeblichen Unterversorgung. Doch die Nationale Verzehrsstudie II (NVS II) zeigt, dass gerade die Personen, die eine gute Zufuhr an Nährstoffen aufweisen, besonders häufig zu Nahrungsergänzungsmitteln greifen. Dabei kann es auch zu einer Überversorgung an Vitaminen und Mineralstoffen kommen.

 Auf Basis der repräsentativen Nationalen Verzehrsstudie II (NVS II) haben Wissenschaftler des Max Rubner-Instituts ausgewertet, welche Vitamine und Mineralstoffe von der Bevölkerung in Deutschland als Nahrungsergänzungsmittel oder sog. Supplemente verwendet und welche Nährstoffmengen dadurch zugeführt werden. Unter Supplementen versteht man dabei alle nicht über Lebensmittel zugeführten Nährstoffe, also Nahrungsergänzungsmittel, aber auch Medikamente mit Vitamin- oder Mineralstoffzusatz. Es wurde zudem die Gesamtnährstoffzufuhr an Vitaminen und Mineralstoffen betrachtet, die aus der Nährstoffzufuhr über Lebensmittel und Supplemente resultiert.

In der NVS II mussten die Teilnehmer u. a. an zwei Tagen in einem 24-Stunden-Recall-detaiiliert Auskunft über den gesamten Verzehr der letzten 24 Stunden geben. Dabei wurde auch abgefragt, ob und welche Supplemente die Teilnehmer am Befragungstag genommen hatten. Von den 15–80-jährigen NVS II-Teilnehmern (n > 13 700), die für die Auswertung herangezogen wurden, gilt als Supplement-Nehmer, wer an mindestens einem der beiden Befragungstage Nährstoffe supplementiert hatte.

Es zeigte sich, dass ein erheblicher Teil der Bevölkerung Supplemente einnimmt (fast ein Viertel). Dabei nehmen gerade die Personen Supplemente, die bereits durch eine günstige Lebensmittelauswahl eine gute Nährstoffzufuhr haben. Dadurch steigt die jeweilige Nährstoffzufuhr erheblich, bis hin zu einer Überschreitung der von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) angegebenen tolerierbaren Tageshöchstmenge (Acceptable Daily Intake; ADI). Ohne Berücksichtigung der zugeführten Nährstoffmengen über Supplemente ergab die Auswertung für die Gruppe der Supplement-Nehmer bei vielen über Lebensmittel zugeführten Nährstoffen eine höhere Zufuhr (z. B. an Folat, Magnesium) als bei Personen, die keine Supplemente verwenden.

Die Auswertung zeigte, dass mehr Frauen als Männer Supplemente einnehmen (30 % vs. 19 %). Der Anteil der Supplementnehmer in der Bevölkerung liegt möglicherweise jedoch noch höher, da die unregelmäßige oder periodisch erfolgende Einnahme methodisch bedingt nicht erfasst werden konnte. Den geringsten Anteil an Supplement-Nehmern fanden die Wissenschaftler in der Gruppe der 15–18-jährigen Frauen (10 %) und den 19–24-jährigen Männern (12 %), wohingegen der Anteil in der Gruppe der 65–80-Jährigen bei beiden Geschlechtern am höchsten ist (Frauen: 46 %; Männer: 30 %). Sowohl von Männern als auch von Frauen werden am häufigsten Vitamin C und E sowie Magnesium und Kalzium supplementiert.

Für Vitamin C, E, Niacin und Folsäure erreichen die Befragten allein durch Supplemente im Mittel zwischen 50 und 100 % des D-A-CH Referenzwertes, für die Vitamine B1, B2 und B6 liegen sie sogar oberhalb des entsprechenden Wertes. Über Lebensmittel und Supplemente zusammen erreichen Supplement-Nehmer im Mittel bei allen untersuchten Nährstoffen (mit Ausnahme von Jod) die jeweiligen Referenzwerte bzw. überschreiten diese teilweise erheblich. Bei den Vitaminen B1, B2, B6 und C sowie Vitamin B12 (bei Männern) beträgt die mittlere Gesamtnährstoffzufuhr etwa das Doppelte des D-A-CH Referenzwerts und bei Niacin das Dreifache. Die von der EFSA angegebene tolerierbare Tageshöchstmenge wird insb. überschritten bei Magnesium und Vitamin A (von 16 % bzw. 13 % der jeweiligen Supplement-Nehmer). Bei Jod ist zu beachten, dass zur Berechnung der Jodzufuhr die Zufuhr über jodiertes Speisesalz bzw. über damit hergestellte Lebensmittel nicht berücksichtigt wurde. Quelle: Max Rubner-Institut (MRI), Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel, Pressemeldung vom 22.07.2013 (28.08.13)

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