Ernährungsumschau
15 Prozent der Kinder und Jugendlichen von drei bis 17 Jahren gelten als übergewichtig oder adipös. © JFsPic / iStock / Thinkstock
15 Prozent der Kinder und Jugendlichen von drei bis 17 Jahren gelten als übergewichtig oder adipös. © JFsPic / iStock / Thinkstock

Gegen Fehlernährung: Organisationen appellieren mit Unterschriftenaktion an Bundesregierung

  • 31.07.2017
  • News
  • Redaktion

Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG), der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) und die Verbraucherorganisation foodwatch haben einen offenen Brief an die Bundesregierung verfasst, indem sie die Bundeskanzlerin, die Minister und die Pateivorsitzenden auffordern, die Prävention von Adipositas, Diabetes mellitus Typ 2 und anderen chronischen Krankheiten zu reformieren. Dem Appell können sich Ärztinnen und Ärzte in einer Unterschriftenaktion anschließen.

Die Autoren fordern von der Bundespolitik folgende konkrete Maßnahmen:

  • eine verständliche Lebensmittelkennzeichnung in Form einer Nährwert-Ampel
  • verbindliche Standards für die Schul- und Kitaverpflegung
  • Beschränkungen der an Kinder gerichteten Lebensmittelwerbung
  • steuerliche Anreize für die Lebensmittelindustrie, gesündere Rezepturen zu entwickeln.

„In Sachen Prävention ist Deutschland noch immer ein Entwicklungsland. Während zahlreiche andere Staaten in Europa im Kampf gegen Fehlernährung bei Kindern- und Jugendlichen die Lebensmittelwirtschaft in die Pflicht nehmen, setzt die Bundesregierung weiterhin auf freiwillige Vereinbarungen mit der Industrie und auf Programme für Ernährungsbildung. Das ist ein Skandal. Es ist dringend an der Zeit, dass die Politik die Kindergesundheit besser schützt“, erklärte Dr. med. Thomas Fischbach, Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ).

In dem Brief weisen die Organisationen darauf hin, dass laut KiGSS-Studie 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen von drei bis 17 Jahren als übergewichtig oder adipös gelten. Im Vergleich zu den 1980er- und 1990er-Jahren habe der Anteil übergewichtiger Kinder damit um 50 Prozent zugenommen, der Anteil adipöser Kinder habe sich sogar verdoppelt. Dies verursache nicht bloß millionenfaches physisches und psychisches Leid bei den Betroffenen, sondern auch einen erheblichen volkswirtschaftlichen Schaden, argumentieren die Autoren.

Freiwillige Vereinbarungen sind "Irrweg"

„Die Erfahrungen aus anderen Ländern zeigen: Eine aktive medizinische Community ist entscheidend, um die politischen Entscheidungsträger zu überzeugen. Ärzteschaft, Fachverbände und Zivilgesellschaft müssen die Kräfte bündeln und klarmachen: Ohne das entscheidende Eingreifen der Politik können wir die Adipositas- und Diabetes-Epidemie nicht stoppen. Deshalb rufen wir alle Ärztinnen und Ärzte auf, den offenen Brief an die Politik zu unterzeichnen“, sagte der Präsident der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG), Prof. Dr. med. Dirk Müller-Wieland.

Die freiwilligen Vereinbarungen mit der Lebensmittelindustrie seien ein Irrweg, so die Organisationen. Das würde die bislang wirkungslose Selbstverpflichtung von Herstellern zeigen, die an Kinder gerichtete Werbung einzuschränken. Der zu erwartende Effekt der von der Bundesregierung geplanten und auf Freiwilligkeit basierenden Strategie zur Reduktion von Zucker, Fett und Salz in Lebensmitteln sei deshalb gering.

Interessierte können den Offenen Brief hier unterzeichnen.

Quellen: Offener Brief „Ärzte gegen Fehlernährung“DDG Pressemeldung

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