Ernährungsumschau

Glykämischer Index und glykämische Last – ein für die Ernährungspraxis des Gesunden relevantes Konzept?

Wissenschaftliche Stellungnahme der DGE

Daniela Strohm, Bonn

Die Bedeutung von glykämischem Index und glykämischer Last für die Gesundheit und die Entwicklung ernährungsmitbedingter Krankheiten sind nach wie vor Gegenstand der wissenschaftlichen Diskussion. Die vorliegende Stellungnahme ersetzt die DGE-Stellungnahme „Glykämischer Index und glykämische Last“ aus dem Jahr 2004.

Als relative Größe der glykämischen Antwort auf die Zufuhr einer definierten Kohlenhydratmenge ist der glykämische Index (GI) ein Indikator für die Qualität der verzehrten Kohlenhydrate. Die glykämische Last (GL) ist das Produkt aus dem GI eines Lebensmittels und dessen verwertbarer Kohlenhydratmenge und berücksichtigt somit neben der Art der Kohlenhydrate auch die zugeführte Kohlenhydratmenge. Die Ergebnisse der evidenzbasierten KH-Leitlinie der DGE sichern eine Rolle des GI bzw. der GL für die Prävention ernährungsmitbedingter Krankheiten derzeit nicht mit hohen Evi denzgraden ab.

Obwohl die Anzahl der Studien zur Bedeutung des GI und der GL weiter sprunghaft zunimmt, ist es denkbar, dass methodische Probleme bei der Bestimmung der glykämischen Antwort einer gemischten Ernährung in Beobachtungsstudien dazu beitragen, dass diese Zusammenhänge auch in Zukunft nicht mit höheren Härtegraden abgesichert werden können. Die KH-Leitlinie zeigte, dass eine Ernährung mit hohem GI das Risiko für Adipositas (bei Frauen), Diabetes mellitus Typ 2, KHK (bei Frauen) und malignen Tumoren im Kolorektum mit möglicher Evidenz erhöht. Mit wahrscheinlicher Evidenz erhöht eine Ernährung mit hohem GI auch die Konzentration des Gesamtcholesterols.

Eine Ernährung mit einer hohen GL erhöht das Risiko für maligne Tumoren in der Gebärmutterschleimhaut und KHK (Frauen) mit möglicher, das Risiko für eine Erhöhung der Triglyzeridkonzentration mit wahr scheinlicher Evidenz. Inzwischen sind eine Reihe weiterer Studien auch zu diesen Krankheitsbildern veröffentlicht worden, die vielfach – zumindest für vulnerable Untergruppen (z. B. Übergewichtige) – eine Risikoerhöhung durch eine Erhöhung von GI bzw. GL nahelegen.



Lesen hier die wissenschaftliche Stellungnahme der DGE zum Thema Glykämischer Index und glykämische Last.

Den vollständigen Artikel finden Sie in Ernährungs Umschau 01/13 von Seite M26 bis M38.

Erratum
In der DGE-Stellungnahme zum glykämischen Index und der glykämischen Last von Daniela STROHM wurden auf S. M34 in Spalte 3, 3. Absatz die Literaturstellen [21, 65] angegeben,
es hätte jedoch [21, 67] heißen müssen. 

Unter der Abbildung 1 ist die falsche Literaturstelle angegeben; dort wird die Literaturstelle [70] zitiert, es müsste aber die Literaturstelle [72] (Brand-Miller et al. 2008) sein.

Das könnte Sie interessieren
Ernährungsberatung von Familien mit übergewichtigen Kindern: Mehr Lebensfreude und Genuss weiter
Zu guter Letzt 12/2017: Ohne Quallenangabe weiter
OECOTROPHICA-Preisträgerin 2017 im Bereich Humanernährung weiter
ENDietS während der 10. EFAD-Konferenz in Rotterdam weiter
Perinatale Programmierung weiter
Chronisch-entzündliche Erkrankungen weiter