Ernährungsumschau

Zu guter Letzt 3/17: Von Bauernregeln und Ministerreimen

Ich gebe zu, beim morgendlichen Tee fällt mein Blick schon mal auf die in der regionalen Zeitung täglich abgedruckten Bauernregeln. Über deren Qualität und nicht immer gelungenes Versmaß lässt sich trefflich streiten: Wenn der Hahn kräht auf dem Mist, ändert sich's Wetter oder es bleibt wie‘s ist …

Umso schöner, mit klarer, teils schwarzhumoriger Aussage und sauber gereimt, fielen mir dann Anfang Februar die von Umweltministerin HENDRICKS geplanten Bauernregel-Plakate1 auf. Endlich mal ein anderer Ansatz, teilweise bestehende Fehlentwicklungen in Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion in die öffentliche Diskussion zu bringen.

Aber ach, die Plakatkleber hatten noch nicht begonnen, den Kleister zu rühren, da gab's schon wieder Zoff zwischen all den um unser leibliches Wohl bemühten Ministerien und Verbänden: Pauschal diffamierend für den Bauernstand sei die Aktion, tönt der Bauernverband und kontert mit bodenständig-erdig-holprigen Gegenreimen2. Zu wenig differenzierend, kritisiert der selbst hin und wieder feinsinnig reimende Ernährungs- und Landwirtschaftsminister3 (an apple a day keeps Putin away4) und selbst ein süddeutscher Landesvater, der es sonst mit den argumentativen Details ja auch nicht immer so hat, stimmte in die Plakatschelte ein. In der Folge entschuldigte sich Ministerin HENDRICKS bei den Bauern, und Schweine dürfen nun (zumindest auf Plakaten) nicht mehr auf einem Bein balancieren.

Warum die Aufregung? Die Bauernregel-Plakate wären doch ohnehin bald von Politiker-Konterfeis und gewohnt aussagestarken Slogans zur Bundestagswahl überklebt worden – und die kommende Grillsaison mit Tiefpreis-Angeboten für Schweinenacken schafft ja bald Platz in den Ställen. Es tut sich doch auch was! Die seit 2012 fein abwägende Auseinandersetzung auf ministerieller Ebene hat ja immerhin bewirkt, dass die EU Ende 2016 Deutschland wegen mangelnden Grundwasserschutzes verklagte … Da war der Spruch Zuviel Dünger auf dem Feld, geht erst ins Wasser, dann ins Geld! doch völlig unnötig. Man hofft eben auf freiwillige (Selbst)Verpflichtungen und verklappt weiter die tierischen Verrichtungen …

Das aktuelle Kompetenz- und Lobby-Gerangel wirft zwar erneut die Frage nach der Sinnhaftigkeit von Ressort-Zuschnitten der Ministerien auf, lenkt aber leider den Blick weg von einer zielführenden Nachhaltigkeitsdebatte, die alle Akteure – Landwirtschaft, Lebensmittelindustrie und -handwerk, Handel, Verbraucher und Politik – dringend führen müssten. Man möchte reimen: Zieht endlich mal an einem Strang, sonst wird's um dieses Land mir bang.

Dr. Udo Maid-Kohnert

1 www.bmub.bund.de/service/publikationen/downloads/details/artikel/neue-bauernregeln/  Zugriff 10.02.17
2 www.bauernverband.de/neue-bauernregeln-bmub  Zugriff 10.02.17
3 „Meinungselite amüsiert sich auf Kosten der Bevölkerung im ländlichen Raum.“ www.tagesschau.de/inland/hendricks-schmidt-streit-101.html  Zugriff 10.02.17
4 www.spiegel.de/wirtschaft/bundesminister-schmidt-an-apple-a-day-keeps-the-putin-away-a-988453.html  Zugriff 10.02.17



Diesen Artikel finden Sie auch in Ernährungs Umschau 3/2017 auf Seite M176.

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