Ernährungsumschau

Qualität im Internet

Andrea Jahnen, Berlin

Nichts ist älter als die Nachricht von gestern, lautet ein Sprichwort. Viele Medien verdanken dieser Tatsache ihre Existenz – nicht zuletzt das Internet, das von der Aktualität und Schnelligkeit der Informationsverbreitung lebt. Darin liegen aber auch die Gefahren des "Mediums ohne Filter". So belegen Studien, dass bis zu 80 % der Informationen im WWW unvollständig, veraltet oder falsch sind. Selbst von qualitativ hochwertigen Seiten enthalten durchschnittlich nur 45 % korrekte und vollständige Informationen. Zwar sind Qualitätsprobleme in Bezug auf gesundheitsbezogene Informationen ebenfalls aus den klassischen Medien bekannt, sie erreichen aber im WWW eine neue Dimension. Gründe hierfür sind die einfache Möglichkeit der Publikation, der fehlende oder falsche Zusammenhang, in den die Informationen häufig eingebettet werden, die hohen Kosten, die für die Gestaltung hochwertiger Seiten anfallen, und letztlich auch die Reichweite.


Gütesiegel für Gesundheitsinformationen

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Netz-Gütesiegel nehmen Identität, Datensicherheit, verbindliche Angaben, zudem Lieferaussagen und Widerrufsrecht unter die Lupe. Bereits jetzt gibt es verschiedene Arten von Gütesiegeln. Es hängt von den zertifizierenden Institutionen ab, wie weit die Vorschriften zu jedem Punkt reichen. Die wichtigsten Anforderungen sind beispielsweise lesbare Geschäftsbedingungen (AGBs), verschlüsselbare Datentransaktionen, Bedingungen zum Datenschutz, Preistransparenz, Widerrufsrecht bei Bestellungen, verbindliche Lieferzeiten und vor allem Anbieterkennzeichnungen. Wer sich beim Online-Shopping oder auch bei der Recherche auf ein Zertifikat verlassen möchte, sollte sich das Prüfsiegel genau ansehen. Vorsicht: Neben den Prüfsiegeln, die von unabhängigen Institutionen für begrenzte Zeit verliehen werden, verleihen sich Händler teilweise selbst Fantasie-Zertifikate und -Auszeichnungen.

Langfristig gesehen ist Informationsqualität nicht nur im Interesse der Nutzer, sondern kommt ebenso den Informationsanbietern zugute. Gerade im Gesundheitswesen können weiterführende Informationen den Nutzern helfen, Ängste zu überwinden, Beziehungen mit Gesundheitsexperten effizienter zu gestalten und so vielleicht bessere Entscheidungen zu treffen. Während es im englischsprachigen Raum vielfältige Ansätze gibt, das medizinische Angebot im Internet zu bewerten, suchte man im deutschsprachigen Bereich hiernach bisher vergebens.

Doch jetzt soll in Europa ein digitales Gütesiegel ("Trustmark") für Gesundheitsinformationen im WWW eingeführt werden. Das Gütesiegel will dem Nutzer helfen, die Seriosität eines medizinischen Angebots im Internet zu beurteilen. Gleichzeitig sollen die Fülle der Informationen so verbrauchergerecht angeboten werden. Die Europäischen Union fördert im Rahmen des "Aktionsplanes für sichere Benutzung des Internets"die Entwicklung und Einführung dieses europäischen Gütesiegels für Gesundheitsinformationen. Ziel des Projektes MedCERTAIN ist der Aufbau einer organisatorischen und technischen Infrastruktur zur dezentralen, aber vernetzten Informationsbewertung und Qualitätssicherung. Die Kennzeichnung von medizinischen Informationen in standardisierter Form erfolgt durch zwei Kategorien von computerlesbaren Zusatzinformationen: Zum einen auf der Basis der beschreibenden Daten, primär vom Autor bzw. Informationsanbieter selbst eingegebenen "Hintergrundinformationen" zum Kontext des Inhalts, zum anderen auf der Grundlage bewertender Daten, die Meinungen Dritter sind. Diese Metadaten werden dann auf Mausklick von Computerprogrammen zusammengestellt und dem Verbraucher zugänglich gemacht.EU09/01

Den vollständigen Artikel finden Sie in Ernährungs-Umschau 09/01 ab Seite B33.

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