Ernährungsumschau

``Klasse statt Masse´´: Perspektiven für Nutztierhaltung und Verbraucherschutz

Claudia Küpper, Köln

Mit der Frage "Klasse statt Masse? – Landwirtschaftliche Nutztierhaltung und Verbraucherschutz" diskutierten die Teilnehmer des 4. aid-Forums am 12. Juni 2001 in Bonn ein kontroverses Thema. Renate Künast, die Bundesministerin für Ernährung und Verbraucherschutz, begrüßte in ihrem Eröffnungsreferat diesen kritischen Dialog. Aber für sie ist "Klasse statt Masse" keine Frage mehr, sondern oberste Priorität für die zukünftige Agrar- und Ernährungspolitik. "Wenn die Ernährungsbranche das Verbrauchervertrauen zurückgewinnen will, muss sie konsequent auf ‚Klasse‘, d. h. auf Lebensmittelsicherheit und ein hohes Qualitätsniveau setzen". Und das gehe alle an: die Bauern, die Futtermittel- und Ernährungswirtschaft sowie den Lebensmittelhandel, so die Ministerin.

Perspektiven der "neuen" Agrar- und Ernährungspolitik

In ihrem Referat skizzierte Renate Künast die zukünftige Agrar- und Ernährungspolitik. Eine hohe bzw. höhere Lebensmittelqualität als bisher ist aus der Sicht der Ministerin zu realisieren durch

  • das Beibehalten und den Ausbau von Normen in den Bereichen Lebensmittelrecht und -hygiene,
  • tier- und umweltgerechte Produktionsverfahren vor allem in der Erzeugung von Lebensmitteln tierischen Ursprungs und
  • die Vermeidung einer Überschussproduktion zu Lasten der Qualität (z. B. durch längere Aufzuchtzeiten, Einsparung von Medikamenten und Leistungsförderern etc.).

Qualität steht demnach für Produkt- und Prozessqualität.


Höherer Preis für steigende Qualität

Die so verbesserte Lebensmittelsicherheit und -qualität wird Lebensmittel tierischer Herkunft verteuern. Deutschland wird den Wettbewerb um diesen Markt nach Ansicht der Ministerin nicht über die Preise gewinnen können. Vielmehr sollen Wettbewerbsvorteile gegenüber EU-Nachbarn und Drittländern künftig durch die besondere Qualität deutscher Erzeugnisse erzielt werden. Künast sieht dafür gute Chancen, denn nach Japan ist Deutschland weltweit der zweitgrößter Netto-Lebensmittel-Importeur. Der Negativsaldo für Agrarprodukte in Höhe von 28 Mrd. DM verleihe dem deutschen Verbraucher Macht. Deutsche Standards könnten auch auf diesem Weg schrittweise EU-Standards werden. Dass sich die EU-Nachbarn darauf einstellten, zeige das Beispiel "Tiermehl": Sollte das EU-Verfütterungsverbot für Tiermehl aufgehoben werden, signalisierten die Niederländer bereits, wegen des deutschen Marktes am Verbot festzuhalten, berichtete Künast. EU 07/01

Den vollständigen Artikel finden Sie in Ernährungs-Umschau 07/01 ab Seite 299.

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