Konzernatlas 2017: Überdüngung und ihre Folgen

(stg) Nährstoffe, die dem Boden mit der Ernte entzogen werden, müssen für den nachfolgenden Anbauzyklus ersetzt werden, insbesondere Stickstoff (N)/Nitrat, Phosphor (P)/Phosphat und Kalium (K). Diese Mineralstoffe werden meist über Mist, Gülle, Hühnerkot oder Mineraldünger ersetzt. Mineraldünger werden auch als Schlüsselstoffe der industrialisierten Landwirtschaft bezeichnet. Stickstoffdünger werden synthetisch hergestellt, Kalisalze und Rohphosphat aus Gesteinen abgebaut. Die Produktion der Mineraldünger ist sehr energieintensiv und belastet die Grundwasser- und Bodenqualität, zudem wird oft „überdüngt“, was die Umwelt zusätzlich belastet.

Seit 1961 hat sich der weltweite Einsatz von Mineraldüngern versechsfacht, erst seit kurzem ist ein Rückgang zu beobachten. In Deutschland ist der Stickstoffeinsatz seit 1961 um das Zweieinhalbfache gestiegen, der von Kalk um die Hälfte. Hierzulande wird mit 204 kg sogar mehr Dünger pro Hektar Ackerfläche eingesetzt als bspw. in den USA (140 kg), jedoch nur etwa die Hälfte bzw. ein Drittel dessen, was in China (557 kg) und Ägypten (615 kg) ausgebracht wird. In Deutschland wird der Großteil der Mineraldünger importiert: 66 % der Stickstoff- und 94 % der Phosphatdünger; Kalisalze hingegen werden über die K+S AG in Nordhessen bezogen, die zu den weltgrößten Herstellern gehört.

Literatur:
1. Heinrich-Böll-Stiftung et al. (Hg). Konzernatlas. Daten und Fakten über die Agrar- und Lebensmittelindustrie 2017



Diesen Artikel finden Sie auch in Ernährungs Umschau 5/17 auf Seite M246.

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