World Obesity Federation - Adipositas: Einordnung als chronische Krankheit gefordert

(stg) Die World Obesity Federation spricht sich in ihrem im Mai publizierten wissenschaftlichen Positionspapier wiederholt dafür aus, Adipositas als chronische, rezidivierende Krankheit einzuordnen [1].

Der wissenschaftliche Ausschuss, der die Stellungnahme verfasst hat, erklärt, dass Adipositas eine Reaktion auf die adipogene Umwelt sei und zudem dem epidemiologischen Verständnis von Krankheitsverläufen entspricht, bis auf die Ätiologie, die hier ernährungsbedingt, nicht bspw. bakteriell begründet ist.

Die Frage, ob Adipositas als Krankheit eingeordnet werden kann bzw. soll, war in den letzten Jahrzehnten eine kontrovers geführte Diskussion. Die Autoren des Positionspapiers vergleichen das Ausmaß der negativen Auswirkungen von Adipositas mit den Beeinträchtigungen, denen Patienten von Virenerkrankungen oder unter Belastung durch Umweltgifte ausgesetzt sind. Laut der Autoren des Positionspapiers reduziere das „Krankheitskonzept Adipositas“ das soziale Stigma, da Betroffenen die Last genommen werde, allein für ihr Übergewicht verantwortlich zu sein. Zudem eröffne diese Einordnung neue Lösungswege, den Zugang zu medizinischer Behandlung und die Kostenübernahme durch Krankenversicherungen.

Literatur:
1. Bray GA, Kim KK, Wilding JPH (2017) Obesity: a chronic relapsing progressive disease process. A position statement of the World Obesity Federation. Obes Rev [DOI: 10.1111/obr.12551]

Quelle: World Obesity Federation, Pressemeldung vom 10.05.2017



Die World Obesity Federation ist ein Bündnis von über 50 Organisationen, die im Bereich der Adipositasforschung, -prävention, -therapie und -aufklärung tätig sind.



Diesen Artikel finden Sie auch in Ernährungs Umschau 6/17 auf Seite M312.

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