Krebs und Ernährung: Mikrobiell gebildete sekundäre Gallensäuren beschleunigen Dickdarmkrebsentstehung
- 15.02.2026
- Print-News
- Redaktion
Diese Ernährungsweise beeinflusst auch das Darmmikrobiom. Insbesondere Nahrungsfette stimulieren im Darm die Aktivität von Bakterien, die 7-alpha- Deshydroxylierungs-Aktivität (7αDH-positive Bakterien) besitzen, was zur Bildung von sekundären Gallensäuren wie Desoxycholsäure (DCA) führt. DCA ist die am häufigsten vorkommende sekundäre Gallensäure, von der bekannt ist, dass erhöhte Konzentrationen das Dickdarmkrebsrisiko steigern können. Kausale Zusammenhänge und mögliche zugrundeliegende Mechanismen waren bisher jedoch unbekannt und mangels guter Modelle wenig untersucht.
Um eine ursächliche Rolle von 7αDH-positiven Bakterien bei Dickdarmkrebs belegen zu können, konzipierten DIfE-Forscher*innen in Zusammenarbeit mit dem Collaborative Lab Westernization of Diet and the Gut (WESTGUT), ZIEL – Institute for Food & Health der Technischen Universität München und der Arbeitsgruppe Functional Microbiome, Institute of Medical Microbiology der Uniklinik RWTH Aachen, Studien, die die physiologischen Bedingungen eines Menschen so nah wie möglich imitierten und sicherstellten, dass die DCA‑Produktion nicht durch den Futterzusatz, sondern ausschließlich durch 7αDH-positive Darmbakterien erfolgte [1].
Das Forschungsteam prüfte seine Hypothesen sowohl in Tiermodellen als auch in humanen Dickdarmkrebskohorten. So konnten sie im genetisch veränderten Schweinemodell (APC1311/+) – welches Polypen im Dickdarm entwickelt – zeigen, dass eine westliche Ernährung die experimentell induzierte Dickdarmtumorgenese verschlimmerte.
Dr. Sören Ocvirk vom DIfE ergänzt: „Wir beobachteten außerdem, dass die erhöhte Proliferation von Epithelzellen mit erhöhten Spiegeln von fäkalen sekundären Gallensäuren, insb. DCA, verbunden war. Diesen Zusammenhang konnten wir bei Schweinen durch Colestyramin- Verabreichung umkehren und damit demonstrieren, dass das Binden von Gallensäuren das Tumorwachstum verringern kann.“
Die gezielte Besiedlung von gnotobiotischen, d. h. keimfreien, Mausstämmen mit spezifischen 7αDH-positiven Bakterien induzierte die DCA-Produktion. Das stimulierte ebenfalls das schnelle Wachstum bzw. die Vermehrung von Epithelzellen im Dickdarm, gemessen anhand des Proliferationsmarkers Ki67, und veränderte die Expression von Genen, die an der Epithelzell-Differenzierung beteiligt sind. „Wir konnten in mehreren gnotobiotischen KRK-Modellen zeigen, dass 7αDH-positive Bakterien die Tumorlast im Dickdarm der Tiere erhöhen, während dieser Effekt ausblieb, wenn 7αDH-positive Darmbakterien durch eine genetische Modifikation kein DCA bilden konnten. Dies beweist im Tiermodell eine kausale Rolle von bakteriell gebildeten sekundären Gallensäuren bei der Pathogenese des kolorektalen Karzinoms“, erläutert Erstautorin Annika Oßwald vom DIfE die Ergebnisse der experimentellen Studien am Mausmodell.
In Stuhlproben von menschlichen Teilnehmenden bereits vorhandener Dickdarmkrebskohorten konnten die Forschenden schließlich zeigen, dass Patient*innen mit Dickdarmkrebs im Vergleich zu gesunden Kontrollpersonen mehr 7αDH-positive Darmbakterien, z. B. Clostridium scindens, aufweisen. Die Wissenschaftler*innen schlussfolgern, dass die spezifische Detektion dieser Bakterienarten im menschlichen Stuhl helfen kann, Personen mit einem erhöhten KRK-Risiko aufgrund einer ungesunden Ernährung und Lebensweise frühzeitig zu identifizieren. Die Einführung personalisierter Ernährungsinterventionen für diese Personengruppe wiederum könnte helfen, die Produktion sekundärer Gallensäuren zu reduzieren.
Zusammenfassend zeigen die Ergebnisse, dass eine westliche fettreiche Ernährungsweise und die damit verbundenen Veränderungen im Dickdarmmikrobiom die menschliche Darmgesundheit langfristig beeinflussen können. Zukünftige Studien sollten die zugrundeliegenden Mechanismen weiter untersuchen, um neue Präventions- und Therapieansätze zu finden.
Literatur
1. Osswald A, Wortmann E, Wylensek D, et al.: Secondary bile acid production by gut bacteria promotes Western diet-associated colorectal cancer. Gut in press 2025 (e-pub ahead of print) [Open Access].
Quelle: Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE), Pressemeldung vom 12.01.2026
Diesen Artikel finden Sie auch in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 2/2026 auf Seite M75.