Ernährungsumschau

Lebensmittelmonitoring 2007 - Zu hohe Rückstände von Pflanzenschutzmitteln in Obst und Gemüse

  • 03.11.2008
  • News
  • Redaktion

In Kopfsalat, Äpfeln, Zuchtchampignons sowie Grün- und Wirsingkohl wurden 2007 häufig die gesetzlichen Höchstmengen für Pflanzenschutzmittelrückstände überschritten. Bei einzelnen Proben lag die Belastung so hoch, dass bei einmaligem Verzehr gesundheitliche Beeinträchtigungen nicht auszuschließen sind. Dies teilte das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) in Berlin bei der Vorstellung des Lebensmittel-Monitorings 2007 mit.

Bei zwei Kopfsalatproben und bei je einer Probe von Tomate, Grünkohl und Austernseitling war die Akute Referenzdosis (ARfD), zu mehr als 100 % ausgeschöpft. Die ARfD ist die Substanzmenge, die über die Nahrung innerhalb eines Tages oder mit einer Mahlzeit aufgenommen werden kann, ohne dass daraus ein erkennbares Gesundheitsrisiko für den Verbraucher resultiert. Angesichts dieser Befunde fordert der Verbraucherzentrale Bundesverband das BVL und die Lebensmittelbehörden der Länder auf, die Namen von Erzeugern, Händlern und Produkten zu veröffentlichen, die 2007 potentiell gesundheitsschädliche Lebensmittel in Verkehr gebracht haben.

Laut Lebensmittelmonitoring 2007 wiesen jede fünfte Grünkohlprobe (20 %) und rund jede siebte Wirsingkohlprobe (14,3 %) Rückstandsgehalte von Pflanzenschutzmitteln über der zulässigen Höchstmenge auf. Da häufig Pflanzenschutzmittelwirkstoffe nachgewiesen wurden, die für Grünkohl nicht zulässig sind, sollten bei diesem Gemüse die Kontrollen intensiviert werden. Auch bei Kopfsalat und Zuchtchampignons fiel die starke Belastung mit Pflanzenschutzmitteln auf. Ca. 9 % der Proben überschritten hier die zulässigen Höchstmenge. Zu hohe Nitratgehalte wurden bei 23 % der Salate festgestellt. Bei Äpfeln hat sich der Anteil mit Höchstmengenüberschreitungen mit 7,3 % im Vergleich zu 2004 halbiert. Deutsche Ware war seltener betroffen (2,9 %) als beispielsweise die aus Südamerika importieren Äpfel (17 %).

In vielen Proben waren Mehrfachrückstände nachzuweisen, beispielsweise in über 70 % des Kopfsalats und etwa der Hälfte der Tomaten. Knapp ein Fünftel der Äpfel enthielt fünf und mehr Rückstände. Da diese Obst- und Gemüsearten häufig verzehrt werden, sollten Erzeuger und Handel ihre Anstrengungen intensivieren, den hohen Anteil von Mehrfachrückständen herabzusetzen.

Nur geringfügig mit unerwünschten Stoffen belastet waren Rindfleisch, Roggen, Honig, Räucherspeck, Römischer Salat, Porree, Radieschen, Rettich, Nektarinen und Bier. Die Gehalte des Schimmelpilzgifts Aflatoxin in Pistazien, die auf den deutschen Markt gelangen, konnten durch intensive Kontrollen an den Außengrenzen der EU auf ein Fünfzigstel gegenüber 1999 verringert werden.

Luftgetrockneter Schinken aus Spanien war häufig mit Rückständen von Insektenbekämpfungsmitteln belastet. Das BVL empfiehlt, dies zum Anlass für verstärkte Kontrollen zu nehmen. Im Vergleich zum Monitoring 2000 hat sich der Anteil auffälliger Schinkenproben verdoppelt.

Die Kontaminationen von Wildschweinfleisch mit Blei, die in erster Linie durch Geschosspartikel der Jagdmunition verursacht werden, waren in einigen Proben sehr hoch. Offenbar sind tief ins Fleisch eindringende Geschosspartikel kaum erkennbar, so dass eine großzügige Entfernung des Fleisches um den Einschusskanal nicht ausreicht. Ein Verzicht auf bleihaltige Munition wäre daher aus Sicht des gesundheitlichen Verbraucherschutzes sinnvoll.

Mehr Sorgfalt fordert das BVL von den Herstellern bei der Auswahl der Rohstoffe für Gewürze, da in Muskatnuss und Paprikapulver vereinzelt hohe Gehalte an Mykotoxinen auftraten.

Das Monitoring ermöglicht einen repräsentativen Überblick der Belastung ausgewählter Lebensmittel mit unerwünschten Stoffen, wie Nitrat, langlebige Organochlorverbindungen, Rückstände von Pflanzenschutz- und Tierarzneimitteln und anderen Kontaminanten. Der Bericht wird jährlich auf der Grundlage von Daten der Bundesländer vom BVL erstellt.
Er ist als pdf online unter www.bvl.bund.de abrufbar. Quellen: BVL, Lebensmittel-Monitoring 2007 und Verbraucherzentrale Bundesverband   (03.11.08)

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