Ernährungsumschau

Essprobleme bei Schülern auf dem Vormarsch

  • 08.07.2002
  • News
  • Redaktion

Immer mehr Menschen leiden unter Essstörungen. Nach Schätzungen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung waren im Jahr 2000 in Deutschland mehr als 100 000 Frauen zwischen 15 und 35 Jahren an Magersucht, rund 600 000 Frauen an der Ess-Brechsucht erkrankt. Dabei betreffen diese psychosomatischen Störungen nicht mehr nur Frauen; zunehmend leiden auch Männer darunter. Eine aktuelle Studie des Instituts für Medizinische Psychologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena bestätigt den Trend zu Essstörungen. So zeigt beispielsweise jede dritte Schülerin in Deutschland Anzeichen für eine Erkrankung.

Die Jenaer Wissenschaftler untersuchten bei insgesamt 736 Personen im Alter zwischen 12 und 32, ob Frühsymptome einer Essstörung (Anorexie, Bulimie) vorlagen. Zu den ersten Anzeichen zählen ein gestörtes Essverhalten, z. B. chronisches Diäthalten, Fastentage, Erbrechen, Fressanfälle und die ausgeprägte Sorge um das Gewicht und die Figur. Eine Gewichtsabnahme wird dabei durch exzessives Sporttreiben oder die Medikamenteneinnahme von z. B. Appetitzüglern, Abführ- oder Entwässerungsmitteln provoziert.

Für die Studie wurden neben 369 Gymnasiasten der Jahrgangsstufen 9 bis 11 aus Jena und Göttingen auch 367 Studierende verschiedener Fachrichtungen der Universität Jena und der Fachhochschule Zwickau befragt. 29 % der Frauen und 13 % der Männer zeigten erste Anzeichen einer Essstörung. Besonders ausgeprägt waren diese bei Gymnasiastinnen: 35 % der befragten Schülerinnen waren betroffen. 14 % von ihnen hatten sogar ein sehr hohes Risiko, eine Essstörung zu entwickeln. Hingegen wiesen Studentinnen mit 23 % weniger häufig Anzeichen für Essstörungen auf. Auch regional traten Frühsymptome unterschiedlich stark auf. 56 % der westdeutschen Schülerinnen waren gefährdet, im Osten hingegen nur 30 %.

43 % der befragten Frauen und 21 % der Männer hatten in den letzten 12 Monaten eine Diät durchgeführt. Auch hatten diejenigen Personen mit gestörtem Essverhalten schon früher häufig Diäten ausprobiert, exzessiv Sport getrieben oder Medikamente eingenommen.

Eine Ursache für die Essstörungen ist nach Ansicht der Wissenschaftler eine Störung der Körperwahrnehmung. 42 % der Schülerinnen schätzten sich selbst als übergewichtig ein, obwohl nur 8 % Übergewicht hatten. Andererseits waren 33 % der Probanden in Wirklichkeit untergewichtig; es schätzten sich aber nur 6 % so ein.

Während internationale Forschungsergebnisse belegen, dass Leistungssport mit einem erhöhten Risiko für die Entwicklung von Essstörungen einhergeht, konnte die Jenaer Studie dies nicht bestätigen. Zwischen den Schülern, die im Sportgymnasium regelmäßig Leistungssport betrieben, und denen ohne sportliche Aktivitäten, zeigte sich keine unterschiedliche Veranlagung zu einem gestörten Essverhalten.

Die Ergebnisse der Jenaer Studie weisen außerdem darauf hin, dass in Einrichtungen mit verstärktem Leistungsanspruch ein erhöhtes Risiko besteht, an Essstörungen zu erkranken. Ebenso stellen ausländische Immigranten wegen einer möglichen Überidentifikation mit westlichen Normen und Werten, etwa der Schlankheitsideale, eine besondere Zielgruppe dar. 08.07.02

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