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Online News: Cochrane-Review zum Intervallfasten: Hilfreich beim Abnehmen?

  • 11.03.2026
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Intervallfasten hat in den vergangenen Jahren, insbesondere im Kontext sozialer Medien, erheblich an Popularität gewonnen. Es wird häufig mit potenziellen Effekten auf Gewichtsreduktion und metabolische Parameter in Verbindung gebracht. Ein kürzlich publizierter Cochrane-Review untersuchte daher systematisch die Wirksamkeit von Intervallfasten im Hinblick auf die Gewichtsabnahme bei Erwachsenen mit Übergewicht oder Adipositas, und löste verschiedene Debatten innerhalb der Fachcommunity aus.

Der aktuelle Review integriert unterschiedliche Formen des Intervallfastens und basiert auf der Auswertung von 21 randomisiert kontrollierten Studien mit insgesamt 1.430 Teilnehmenden. Die Analysen weisen darauf hin, dass Intervallfasten im Vergleich zu anderen diätetischen Interventionen bei Erwachsenen mit Übergewicht oder Adipositas möglicherweise keinen oder lediglich einen marginalen Effekt auf die Reduktion des Körpergewichts hat. Die Verwendung des Begriffs „möglicherweise“ reflektiert dabei die eingeschränkte Sicherheit der Evidenz. Das entsprechende Ergebnis ist mit einer substanziellen Unsicherheit behaftet, was die Verlässlichkeit und Präzision der Effektschätzung limitiert.

Die Autor*innen des Reviews stufen die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz als „niedrig“ ein. Im Rahmen des GRADE-Systems zur Bewertung der Qualität wissenschaftlicher Evidenz entspricht dies der zweitniedrigsten von insgesamt vier Bewertungsstufen. Ausschlaggebend für diese Einstufung war unter anderem, dass zahlreiche der eingeschlossenen Studien nur geringe Fallzahlen aufwiesen und methodische Limitationen zeigten. Vor diesem Hintergrund ist es möglich, dass zukünftige, methodisch robustere Untersuchungen zu einer veränderten Einschätzung der Evidenzlage zum Intervallfasten führen.

Neben dem Vergleich mit anderen Diätformen wurde Intervallfasten im Review auch einer Kontrollbedingung ohne strukturierte Ernährungsintervention gegenübergestellt, das heißt einer Situation, in der die bisherigen Essgewohnheiten im Wesentlichen beibehalten werden. Grundlage hierfür bildeten sechs randomisiert kontrollierte Studien mit insgesamt 427 Erwachsenen mit Übergewicht oder Adipositas.

Die Ergebnisse deuten wahrscheinlich auf einen geringen, aber vorhandenen Effekt hin: Unter Intervallfasten reduzierte sich das Körpergewicht im Mittel um etwa 3,4 % stärker als ohne gezielte Ernährungsintervention. Die Autor*innen bewerten die Vertrauenswürdigkeit dieser Evidenz als „moderat“, was im GRADE-System der zweithöchsten von vier Qualitätsstufen entspricht. Somit ist auch dieses Ergebnis mit Unsicherheit behaftet, allerdings in geringerem Ausmaß als der Vergleich mit anderen Diätformen.

Übertragen auf eine Person mit einem Ausgangsgewicht von 100 kg entspräche dies einer zusätzlichen durchschnittlichen Gewichtsreduktion von rund 3,4 kg gegenüber keiner spezifischen Ernährungsmaßnahme. Zu berücksichtigen ist jedoch, dass klinische Leitlinien für Menschen mit Übergewicht oder Adipositas in der Regel einen Gewichtsverlust von mindestens 5 % des Ausgangsgewichts empfehlen, da erst ab dieser Größenordnung eine relevante Senkung adipositasassoziierter Gesundheitsrisiken zu erwarten ist.

Einschränkend ist zu berücksichtigen, dass nahezu alle in den Review eingeschlossenen Studien eine Beobachtungsdauer von lediglich sechs bis zwölf Monaten aufwiesen. Auf Grundlage der derzeit verfügbaren Evidenz lässt sich daher keine belastbare Aussage darüber treffen, ob es Menschen mit Übergewicht oder Adipositas mithilfe des Intervallfastens langfristig gelingt, eine klinisch relevante Gewichtsreduktion zu erreichen, die mit gesundheitlichen Vorteilen einhergeht.

Darüber hinaus mangelt es an Daten zur Akzeptanz und Zufriedenheit der Betroffenen sowie zur mittel- und langfristigen Umsetzbarkeit im Alltag. Ebenso liegen bislang kaum Erkenntnisse zu potenziellen unerwünschten Wirkungen vor. Unzureichend untersucht ist zudem, welchen Einfluss Intervallfasten auf adipositasassoziierte Komorbiditäten hat und ob sich hierdurch beispielsweise das Risiko für die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes reduzieren lässt. Auch in diesem Zusammenhang besteht weiterhin erheblicher Forschungsbedarf.

Mediale Resonanz und öffentliche Diskussion der Studienergebnisse

Die Veröffentlichung der Studienergebnisse erfuhr ein erhebliches mediales Echo. Sowohl überregionale Medien wie die Tagesschau als auch fachbezogene Medien wie das Deutsche Ärzteblatt griffen die Resultate auf, ordneten sie ein und diskutierten deren Bedeutung für Prävention und Therapie von Übergewicht. Dabei reichten die Darstellungen von pointierten Zusammenfassungen zentraler Befunde bis hin zu differenzierten Analysen der methodischen Qualität und klinischen Relevanz der Ergebnisse.

Das Science Media Center Germany ließ die Ergebnisse durch unabhängige Forschende mit Blick auf die methodische Qualität des Reviews sowie auf die Aussagekraft der eingeschlossenen Studien einordnen. In den veröffentlichten Stellungnahmen äußerten sich mehrere Expert*innen kritisch gegenüber den Schlussfolgerungen der Autor*innen und zeigten sich insgesamt enttäuscht über deren Interpretation der Befunde. Beispielhaft fasste Prof. Dr. Annette Schürmann, Sprecherin und Vorstandsmitglied des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD) sowie ehemalige Leiterin des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung (DIfE), ihre Einschätzung wie folgt zusammen: Die Aussage, Intervallfasten zeige keinen Effekt auf die Gewichtsreduktion, könne in dieser Pauschalität nicht getroffen werden. Ein Gewichtsverlust von drei Prozent sei keineswegs gering und könne durchaus klinisch relevante positive Effekte, etwa auf den Blutdruck oder den Glukosestoffwechsel, entfalten.

Literatur: Garegnani LI, Oltra G, Ivaldi D, Burgos MA, Andrenacci PJ, Rico S, Boyd M, Radler D, Escobar Liquitay CM, Madrid E. Intermittent fasting for adults with overweight or obesity. Cochrane Database of Systematic Reviews 2026, Issue 2. Art. No.: CD015610. DOI: https://doi.org/10.1002/14651858.CD015610.pub2


Quelle: Cochrane Deutschland, Pressemeldung vom 18.02.2026

 

 

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