Ernährungsumschau

Therapiefall Ernährungsberatung - Kommunikationsstrategien für die Praxis: 10. aid-Forum am 9. Mai 2007 in Bonn

  • 14.05.2007
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  • Redaktion

"Ich habe keine Ahnung, wie und wo ich einen guten Ernährungsberater finde!" Eine typische Antwort bei einer Stichwortumfrage, die der aid infodienst auf seinem 10. aid-Forum vorstellte. Viele Menschen haben nur eine sehr vage Vorstellung davon, was eine gute Ernährungsberatung ausmacht und was diese leisten kann. Durch die Umfrage erhielt das aid-Forum einen praxisorientierten Einstieg in die Diskussion: Welche Maßnahmen müssen in der Ernährungsberatung ergriffen werden, um bei der Zielgruppe auch "anzukommen"?

"Bewusst provokant deuten wir mit unserem Titel "Therapiefall Ernährungsberatung" an, dass es auf diesem Feld zwar viele verschiedene Ansätze gibt, um auf das Essverhalten von Menschen einzuwirken. Es ist aber fragwürdig, ob diese Maßnahmen den Konsumenten überhaupt erreichen", sagt Dr. Margret Büning-Fesel, Geschäftsführender Vorstand des aid-infodienst. "Was wir dringend brauchen ist ein Perspektivwechsel in der Ernährungskommunikation. Sie muss konkrete, praxisnahe und alltagstaugliche Orientierungshilfen geben." Prof. Beate Blättner von der Hochschule Fulda sieht eine Chance zur Veränderung in einer konsequenten Anwendung des "Shared Decision Making", der gemeinsamen Entscheidungsfindung im Aushandlungsprozess zwischen beratender und Rat suchender Person.

Aber nicht nur die angewandten Strategien spielen bei der Ernährungsberatung eine Rolle, sondern auch das professionelle Auftreten. "Für den langfristigen Erfolg in der Ernährungsberatung sind ein klares Selbstbild - fachlich wie persönlich - ebenso wie der passende individuelle Marktauftritt mit klassischen und neuen Medien unabdingbar", sagt Barbara Schäfer-Ernst von der Beratung3Dimensional. Tipps für eine erfolgreiche Ernährungsberatung gibt Dr. Claudia Laupert-Deick: "Eine Beratung ist dann erfolgreich, wenn der Patient das subjektive Gefühl hat, dass die zu Beginn der Therapie festgelegten Ziele erreicht worden sind. Im Idealfall empfindet der Kunde/Patient die Umstellung seiner Essgewohnheiten als Zugewinn an Lebensqualität", so die Oecotrophologin mit eigener Praxis in Bonn.

Ernährungsberaterin Dr. Gerta van Oost, die sich seit Jahren mit den speziellen Ernährungsproblemen von Berufstätigen, insbesondere Schichtarbeitern, beschäftigt, erläutert: "Veränderung von Gewohnheiten kann immer nur in kleinen Schritten ablaufen. Außerdem muss der Kopf ein Stück weit für das Thema Ernährung frei sein." Ein komplexes Aufgabenfeld ist die Ernährungsberatung im Bereich von Essstörungen.

Einfache Schemata wie Ernährungsinformation oder Ernährungslehre würden hier nicht greifen, Regelsysteme wie die Einteilung von Lebensmitteln in gute und schlechte sowie rigides Kalorienzählen oder Diätpläne könnten Essstörungssymptome sogar verstärken, erklärt Jocelyne Reich-Soufflet, Ernährungstherapeutin aus Frankfurt. "Es ist ratsam der Ernährungsberatung bei Essstörungen einen Raum in einem interdisziplinären Rahmen wie der Psychotherapie, Medizin oder Ernährungstherapie zu geben. Ernährungsberater benötigen dafür fachliche Kompetenz, das heißt eine Zusatzausbildung im Bereich Essstörung sowie Supervision."

Elisabeth Höfler vom Marienhospital in Stuttgart erläutert die wichtigen Elemente der Ernährungsberatung im Krankenhaus: "Die ernährungstherapeutische Begleitung der Patienten steht im engen Kontext mit einer Verbesserung der Ernährungssituation und damit der Lebensqualität. Praktische Schulungen in der Lehrküche innerhalb der Adipositastherapie zielen auf die Umsetzung der Theorie in die Praxis. Kleingruppen erweisen sich als besonders kommunikativ und motivationsfördernd." Ein Publikumsgespräch mit den Referentinnen des Tages bildete den Abschluss der Veranstaltung. Durch den Tag führte Ingolf Baur, Moderator des 3sat-Magazins "nano". (14.05.07)

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