Ernährungsumschau
© Sebastian Kaulitzki/Fotolia.com
© Sebastian Kaulitzki/Fotolia.com

DIfE: Bitterrezeptor erstmals in Becherzellen des Dickdarms nachgewiesen

  • 15.01.2014
  • News
  • Redaktion

Wie ein Wissenschaftlerteam um Maik Behrens und Wolfgang Meyerhof vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE) nun erstmals auf zellulärer Ebene am Mausmodell nachgewiesen hat, produziert eine Gruppe hochspezialisierter Dickdarmzellen den Bitterrezeptor Tas2r131. Bei dem identifizierten Zelltyp handelt es sich um eine Untergruppe von schleimproduzierenden Becherzellen. Die Wissenschaftler vermuten, dass diese Zellen sowie der Bitterrezeptor eine Rolle bei der Abwehr von Schadstoffen spielen könnten [1].

Verschiedene Studien weisen darauf hin, dass Geschmacksrezeptoren für Süß und Bitter nicht nur auf der Zunge zu finden sind, sondern auch in anderen Körperregionen. So entdeckten US-amerikanische Forscher kürzlich Bitterrezeptoren in der Schleimhaut menschlicher Atemwege. Ihre Daten lassen vermuten, dass die Bitterrezeptoren auf bakterielle Signalstoffe reagieren und für die lokale Immunabwehr bedeutsam sind. Eine andere Forschergruppe konnte in hormon-produzierenden endokrinen Darmzellen und chemosensorischen Bürstenzellen des Magen-Darm-Trakts Untereinheiten des Süßrezeptors nachweisen. Die Wissenschaftler nehmen an, dass der Süßrezeptor eine Rolle bei der Regulation des Blutzuckerspiegels spielt.

Obwohl es mehrere Untersuchungen auf genetischer und molekularer Ebene gibt, die darauf hindeuten, dass neben dem Süßrezeptor auch Rezeptoren für Bitterstoffe im Magen-Darm-Trakt zu finden sind, war es jedoch bislang nicht gelungen, diejenigen Zellen zu identifizieren, die solche Rezeptoren produzieren. Dies ist jedoch für das Verständnis der Rezeptorfunktion im Darm unerlässlich.

„Am Modellsystem der Maus konnten wir nun erstmals den Bitterrezeptor Tas2r131 in einer kleinen Untergruppe von Becherzellen nachweisen. In intestinalen Bürstenzellen und endokrinen Zellen detektierten wir dagegen keine Bitterrezeptoren“, berichtet Simone PRANDI, Erstautorin der Publikation. Die neuen Daten weisen zudem darauf hin, dass die Konzentration der Tas2r131-produzierenden Zellen in dem Darmabschnitt am höchsten ist, in dem auch die meisten Bakterien angesiedelt sind. „Becherzellen produzieren Schleim, wodurch eine Schicht entsteht, die das Anlagern von Mikroorganismen verhindert und welche die Schleimhaut vor chemischen und mechanischen Verletzungen schützt. Zudem gibt es Untersuchungen, die darauf hinweisen, dass Bitterstoffe die Flüssigkeitssekretion im Dickdarm erhöhen. Wir vermuten daher, dass die im Darm lokalisierten Bitterrezeptoren und die von uns identifizierten Zellen eine Rolle bei der Abwehr von bakteriellen und/oder mit der Nahrung aufgenommenen Schadstoffen spielen könnten“, erklärt Maik BEHRENS, Biologe und Leiter der Untersuchung. „Zukünftig wollen wir mithilfe des Mausmodells die molekularen und physiologischen Eigenschaften dieser Untergruppe von Becherzellen noch weiter aufklären, um so einen tieferen Einblick in die Funktion der intestinalen Bitterrezeptoren, aber auch des Abwehrsystems des Darms zu erhalten“, ergänzt Wolfgang MEYERHOF, der am DIfE die Abteilung Molekulare Genetik leitet.

Lesen Sie mehr zum Thema Geschmack in den drei Beiträgen von Meyerhof et al.: Physiologische Grundlagen der Geschmackswahrnehmung (EU 07/2013, S. 124 ff.), Genetik, Umwelteinflüsse und Geschmack (EU 10/2013, S. 180 ff.) und Nahrungspräferenzen und -aversionen (EU 12/2013, S. 222 ff.).

Literatur: 1. Prandi S et al. (2013) A subset of mouse colonic goblet cells expresses the bitter taste receptor Tas2r131. PLOS ONE [dx.plos.org/10.1371/journal.pone.0082820]

Quelle: Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE), Pressemeldung vom 19.12.2013 (15.01.14)

Das könnte Sie interessieren
Alte Bücher. © VeranoVerde / iStock / Thinkstock
Geschichte der deutschen ernährungswissenschaftlichen Gesellschaften weiter
© karandaev / iStock / Thinkstock
Warum steigt der Vitamin-E-Spiegel mit dem Alter? weiter
Menschen klatschen. © shironosov / iStock / Thinkstock
Individuelle Lebensstilfaktoren beeinflussen Ernährung weiter
Krebskranke Frau im Krankenhaus. © KatarzynaBialasiewicz / iStock / Thinkstock
Gesunde Ernährung und Bewegung beugen vor weiter
© altrendo images / Stockbyte / Thinkstock
Entwicklung und Test eines Messinstruments zur „nutrition literacy" weiter
© mheim3011 / iStock / Thinkstock
Barmer GEK berichtet von deutlich mehr Betroffenen weiter