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Bild: © Thinkstock / abadonian
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Stigma Adipositas begünstigt psychische Erkrankungen

  • 15.01.2015
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Ein Wissenschaftlerteam untersuchte für das Integrierte Forschungs- und Behandlungszentrum (IFB) AdipositasErkrankungen in Leipzig die psychische Belastung von Adipositas-Betroffenen. Die Forscher griffen dabei auf vorliegende Studien zur Stigmatisierung bei Adipositas zurück und nennen als Risikofaktor ein herabgesetztes Selbstwertgefühl durch gesellschaftliche Ablehnung.

Das Team um Dr. Claudia Sikorski  analysierte 46 wissenschaftliche Studien, die den Zusammenhang zwischen der Stigmatisierung von stark übergewichtigen Menschen mit psychischen Belastungen und Störungen untersuchten. Dabei stießen sie auf Risikofaktoren, die im Bereich psychischer Störungen etabliert und bei Menschen mit Adipositas stark ausgeprägt sind. Vor allem das in den Studien beschriebene herabgesetzte Selbstwertgefühl gilt als ein großer Risikofaktor für psychische Leiden wie Depressionen und Angststörungen.

Angelehnt an Mark Hatzenbuehlers (Columbia University) Erklärungsansatz zu den Auswirkungen von Stigmatisierung bei homosexuellen Menschen entwickelte Sikorski ein Modell der Prozesse, die zur größeren Anfälligkeit adipöser Patienten für psychische Erkrankungen führen. Die Betroffenen hätten nicht nur ein vermindertes Selbstwertgefühl und eine verminderte Fähigkeit zur Problembewältigung (Coping). Dazu kämen weitere Risikofaktoren wie die negative Selbstwahrnehmung, vermehrte Einsamkeit und der Mangel an sozialer Unterstützung. Krankhaft übergewichtige Männer und Frauen nehmen Sikorski zufolge außerdem das negative Fremdbild, das sich durch die Stigmatisierung zeigt, als Selbstbild an.

Folgestudie zu Stigmatisierung
Laut Bericht hat die Adipositasforschung gezeigt, dass die Stigmatisierung und das Selbststigma zu einem ungünstigen Essverhalten und somit zur Erhaltung oder Verschlimmerung der Adipositas beitragen. Es komme zu einem Teufelskreis aus Stigmatisierung aufgrund von Adipositas, sozialem Rückzug, weiterer Zunahme des Gewichts und folglich immer stärkerer Stigmatisierung. Die Wissenschaftler suchen daher nach therapeutischen Ansätzen, wie dieser Teufelskreis durchbrochen werden kann. In einer Folgestudie befragt Sikorskis wissenschaftliches Team in Kooperation mit dem forsa-Meinungsforschungsinstitut rund 1000 Erwachsene mit Adipositas zu ihren Erfahrungen mit Stigmatisierung und ihren Umgang damit. Dieses Projekt soll zeigen, wie Stigmatisierung erlebt wird und wie Betroffene damit umgehen können.

Literatur
Sikorski, C., Luppa, M., Luck, T. and Riedel-Heller, S. G. (2014), Weight stigma “gets under the skin”—evidence for an adapted psychological mediation framework—a systematic review. Obesity. Dec 2014  DOI: 10.1002/oby.20952 

Pressemitteilung des IFB

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