Ernährungsumschau
© Safer/Fotolia.com
© Safer/Fotolia.com

70 % der Ratgeberbroschüren zur Babyernährung fehlerhaft

  • 20.02.2014
  • News
  • Redaktion

In nur 30 % der deutschlandweit verfügbaren Ratgeberbroschüren zur Babyernährung sind die Handlungsempfehlungen zur Babyernährung und Ernährung der stillenden Mutter vollständig und korrekt umgesetzt, 70 % zeigen inhaltlichen Überarbeitungsbedarf. Dies ergab eine Analyse an der Hochschule Niederrhein, die in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Ernährungs Umschau erschien.

Die Ernährungswissenschaftlerin Julia Hirsch analysierte 33 bundesweit verfügbare Ratgeberbroschüren zur Säuglingsernährung und glich diese mit den Handlungsempfehlungen „Säuglingsernährung und Ernährung der stillenden Mutter“ des Netzwerks „Gesund ins Leben – Netzwerk Junge Familie“ ab. Diese Handlungsempfehlungen werden in Deutschland als Standard in der Säuglingsernährung betrachtet.

Die untersuchten Broschüren stammen von unterschiedlichen Herausgebern wie Fachgesellschaften und Verbänden, Bundes- und Landesministerien, Krankenversicherungen, Herstellern von Säuglingsnahrung, Babyausstattern und weiteren Unternehmen der Ernährungsindustrie (zur vollständigen Auflistung der untersuchten Broschüren s. Originalbeitrag).
Die Ratgeberbroschüren, die die Handlungsempfehlungen korrekt und vollständig umgesetzt haben, stammten von (in alphabetischer Reihenfolge):
- aid infodienst
- aid infodienst und Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE)
- BARMER GEK
- Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung
- Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
- Forschungsinstitut für Kinderernährung Dortmund
- Ministerium für Ernährung und Ländlichen Raum Baden-Württemberg
- Techniker Krankenkasse
- Verbraucherzentrale Hamburg e. V.

Auffallend ist, dass in allen Broschüren von Herstellern von Säuglingsnahrung, Babyausstattern und Unternehmen der Ernährungsindustrie Überarbeitungsbedarf erkennbar ist. Inhaltlich falsche oder in der Formulierung missverständliche Botschaften betreffen insbesondere das Thema zum Übergang von ausschließlichem Stillen zur Einführung von Beikost. So ist bei der Mehrzahl der Broschüren die empfohlene Formulierung für den Zeitpunkt der Beikosteinführung nach dem Schema "frühestens mit Beginn des 5., spätestens mit Beginn des 7. Monats" nicht erkennbar.
Die Autoren der Studie sehen einen Zeitraum von zwei Jahren als ausreichend an, um die Broschüren adäquat zu überarbeiten.

Die komplette Studie finden Sie unter: www.ernaehrungs-umschau.de/archiv/wissenschaft_aktuell/?id=6264
Literatur: Hirsch J, Rademacher C (2014) Implementation of the recommendations made by the “Gesund ins Leben“ network as found in advice leaflets on the nutrition of infants. How and how well have the recommendations been implemented two years later? Ernahrungs Umschau 21(2): 27–31 [DOI: 10.4455/eu.2014.005]
(20.02.14)

Das könnte Sie interessieren
Älterem Mann wird der Bauch vermessen. © moodboard / moodboard / Thinkstock
Leipziger Forscher widersprechen „Adipositas-Paradoxon" weiter
Illustration der Dünndarmzotten mit Mikrobiota. © ChrisChrisW / iStock / Thinkstock
Welchen Einfluss hat die Ernährung auf die Eigenschaften der Mikrobiota? weiter
Ausschnitt des Flyers zur Aktion:  Die Uni Witten/Herdecke organisiert diverse Vorträge, Workshops, Diskussionsrunden zum Thema Nachhaltigkeit. © Jonas Friedrich
Uni Witten/Herdecke veranstaltet „Aktionstage Nachhaltigkeit" weiter
Kind greift nach Erdbeeren. Foto: Kelly Sikkema / Unsplash
Neues Institut für Kinderernährung beschlossen weiter
Handy mit geöffneter App und Salat. © DragonImages / iStock / Thinkstock
Qualität und Limitationen von Ernährungs-Apps weiter
Mutter stillt ihr Kind. © jgaunion / iStock / Thinkstock
Nationale Stillkommission fordert Stillmonitoring weiter