Ernährungsumschau

BMI bleibt wichtiger, aber nicht alleiniger Risikoprädikator

  • 20.04.2010
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  • Redaktion

Der Body Mass Index (BMI) ist ein weltweit anerkanntes und pragmatisches Mass zur Erfassung des übergewichtsbedingten Erkrankungsrisikos. Da die Fettmasse nur indirekt (rechnerisch) ermittelt wird und nicht unterschieden werden kann zwischen Unterhautfettgewebe und stoffwechselaktivem, stammbetontem Fettgewebe, weist der BMI jedoch Schwächen auf. So kommt es bei Menschen mit einer großen Muskelmasse und bei sehr kleinen und sehr großen Menschen zu strukturell bedingten Fehleinschätzungen des Erkrankungsrisikos.

Seit einigen Jahren wird daher immer wieder nach Risikoparametern geforscht, die ein körperfettbedingtes Erkrankungsrisiko mit höherer Genauigkeit vorhersagen können. So erschien im Februar eine Studie, die erneut bestätigte, dass der BMI im Gegensatz zum Taille-Hüft-Verhältnis kein Prädiktor des Risikos für Herz-Kreislauferkrankungen ist (1).

„Diese Ergebnisse sind keineswegs neu“, stellt Prof. Dr. med. Hans HAUNER, Präsident der DAG, klar. „Wir wissen heute, dass der BMI alleine kein konsistent guter Indikator für das Gesundheitsrisiko bei Übergewicht ist“, so HAUNER weiter. „Auch wenn bei bestimmten Erkrankungen, z. B. bei einigen Krebs- oder Gelenkserkrankungen der BMI als ein wichtiger risikodiskriminatorischer Parameter gilt, ist es grundsätzlich wichtig, auch andere Daten zu erheben und in eine individuelle Gesamtbewertung einzubeziehen, insbesondere den Taillenumfang, den Blutdruck und die Bestimmung der Blutfette.“

So könne ein BMI im Bereich von 25-29,9 alleine noch keine Gewichtsreduktion rechtfertigen, es sei denn, es würden weitere Risikofaktoren ermittelt, wie etwa ein erhöhter Taillenumfang. Bei einem BMI über 30 zeigten 70-80 % und bei BMI über 40 ein noch höherer Prozentsatz der Betroffenen ein erhöhtes Risiko für Begleiterkrankungen und profitierten erheblich von einer Gewichtsreduktion, so HAUNER. Die Lebenserwartung im BMI-Bereich zwischen 30-34,9 bzw. 40-45 verkürze sich um 2-4 bzw. 8-10 Jahre (2).

Ebenfalls wird immer wieder diskutiert, ob der BMI an höhere Lebensalter angepasst werden sollte, zumal in diesen Altersgruppen in früheren Studien keine statistische Beziehung mehr zwischen BMI und übergewichtsbedingtem Krankheitsrisiko nachgewiesen werden konnten. "Die aktuellste, größte und beste prospektive Studie zum Thema "BMI-Mortalität" (3) zeigt aber nicht, dass das gesundheitliche Risiko eines hohen BMI im Alter abnimmt; es bleibt in etwa gleich", so der DAG-Präsident. Er halte es daher für eher unwahrscheinlich, dass offizielle Empfehlungen von Fachgesellschaften (z. B. DAG, DGE oder WHO) in Zukunft dazu übergehen werden, altersangepasste BMI-Werte zu empfehlen, schloss der Präsident.

Literatur:
(1) Schneider, H.J. et al.: The predictive value of different measures of obesity for incident cardiovascular events and mortality, J clin Endocrinol Metab 2010 Feb 3).
(2) Hauner, H.: Übergewicht: alles halb so schlimm?, Dt. Ärzteblatt 2009: 106 (40): 639-640
(3) Prospective Studies Collaboration: Body-mass index and cause-specific mortality in 900000 adults: collaborative analyses of 57 prospective studies. Lancet 2009; 373: 1083-1096. Quelle: Pressemitteilung der Deutschen Adipositas-Gesellschaft e. V. vom 14.04.10(20.04.10)

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