Ernährungsumschau

Defizite bei der Gesundheitsvorsorge

  • 20.06.2005
  • News
  • Redaktion

Gesundheitsvorsorge wird in Deutschland nur mangelhaft umgesetzt. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie der Felix Burda Stiftung und der internationalen Management- und Technologieberatung Booz Allen Hamilton, an der mehr als 40 Präventionsexperten in Deutschland mitgewirkt haben. Schlechte Beurteilungen gab es vor allem bei der Krebsvorsorge (Darm, Prostata, Haut und Brust).

Auch die allgemeine Gesundheitsförderung wurde nicht gut bewertet. Die übergreifende Schulnote lautet hierbei im Vergleich zu anderen Industrieländern "mangelhaft". Lediglich die Schwangerschaftsvorsorge und die Vorsorgeuntersuchungen im Kindesalter werden im internationalen Vergleich als "gut" bis "sehr gut" eingestuft.

Beispiel Diabetes
Am Beispiel Diabetes mellitus Typ 2 zeigt die Studie eindrucksvoll das Verhältnis zwischen Kostenexplosion und mangelhafter Prävention. So belaufen sich die Kosten für die Behandlung des Diabetes und dadurch ausgelöste Folgeleiden in Deutschland jährlich auf 30 Milliarden Euro. Laut Studie werden die Behandlungskosten für diese Volkskrankheit in Deutschland innerhalb der nächsten 15 Jahre explodieren und sich die Anzahl der Erkrankten bis 2020 von derzeit rund 6 Millionen auf 10 bis 11 Millionen fast verdoppeln. Eine gesunde Lebensweise reduziert nachweislich die Anzahl der jährlichen Diabetesneuerkrankungen in der Normalbevölkerung um 3 Prozent - konservativ gerechnet. Bei jährlich rund 250 000 Neuerkrankungen und durchschnittlichen Behandlungskosten von 5 000 Euro pro Patient, können pro Jahr kurzfristig rund 40 Millionen Euro Ausgaben vermieden werden. Fachexperten gehen sogar davon aus, dass langfristig bis zu 90 Prozent aller Diabetesfälle durch einfache präventive Maßnahmen wie gesunde Ernährung und ausreichende Bewegung vermieden werden könnten. Allein in Deutschland sei dadurch ein Einsparungspotenzial von 27 Milliarden Euro pro Jahr realisierbar.

Beispiel Darmkrebs
Großer Handlungsbedarf besteht ebenfalls bei der Krebsvorsorge, obwohl auch hier ausreichend gesicherte medizinische Daten für den Erfolg von Prävention vorliegen. Am Beispiel Darmkrebsvorsorge zeigt sich das Potenzial: Bei rechtzeitiger Früherkennung könnte die Sterblichkeit dieser Erkrankung um mehr als 90 Prozent gesenkt werden. Jährlich erkranken in Deutschland rund 66 000 Menschen an Darmkrebs. Wie die Studie zeigt, sind die wirtschaftlichen Konsequenzen einer guten Prävention enorm: Im Frühstadium kostet eine Behandlung pro Patient rund 36 000 Euro bei sehr guten Heilungschancen. Im fortgeschrittenen Stadium müssen für eine Behandlung etwa 200 000 Euro angesetzt werden, wobei von geringen Erfolgsaussichten ausgegangen werden muss. Dieser Effekt wird bei anderen Krebsvorsorgeuntersuchungen ähnlich hoch eingeschätzt - würden sie in Deutschland effektiver und effizienter laufen.

Als Hauptursachen für die mangelnde Prävention in Deutschland identifiziert die Studie eine schlechte Koordination bestehender Programme und Akteure, die unzureichenden gesetzlichen und politischen Rahmenbedingungen sowie das Fehlen einer allgemeinen "Präventionskultur". Bei den genannten Punkten wird der Handlungsbedarf als "dringend" eingeschätzt. (20.06.05)

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