Ernährungsumschau

Schutz gesunder Ernährung: Offener Brief an WHO-Generaldirektorin Margaret Chan

  • 21.11.2014
  • News
  • Redaktion

Gemeinsam mit mehr als 320 anderen Gesundheitsorganisationen weltweit richtet die Deutsche Adipositas-Gesellschaft (DAG) parallel zur Internationalen Konferenz für Nahrung und Ernährung (International Conference on Food and Nutrition, ICN2) an die Generaldirektorin der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Dr. Margaret Chan. Sie fordern die Verfassung einer für die Nationen rechtlich verbindlichen, globalen Vereinbarung zum Schutz und zur Förderung gesunder Ernährung.

„In unserem gemeinsamen Brief drücken wir unsere Sorge darüber aus, dass sich die Zahl der Menschen mit Adipositas (…) seit 1980 weltweit verdoppelt hat und dass ungesunde Nahrungsmittel und Ernährungsweisen sich zum größten Risikofaktor für die immer stärker um sich greifenden „nichtübertragbaren“ Krankheiten entwickelt haben, insbesondere Diabetes Typ 2, Herz-Kreislauferkrankungen und Krebs“, so Prof. Dr. Martin Wabitsch, DAG-Präsident.

Kein Land der Welt habe es bisher geschafft, der Adipositaswelle zu entkommen oder ihr etwas entgegenzusetzen. Im Gegenteil: Das Problem werde weltweit immer noch massiv unterschätzt und bisherige Versuche, die Adipositasepidemie mittels freiwilliger Maßnahmen einzudämmen, müssten als gescheitert betrachtet werden, so der Kinder- und Jugendarzt.

Entscheidungen über Lebensmittelproduktion und -verteilung dürften deshalb nicht mehr allein ökonomischen Interessen überlassen werden. Die Nationen sollten gesetzgeberische Maßnahmen ergreifen, um Unter-, Über- und Fehlernährung besser vermeiden und die Gesundheit ihrer Bürger besser schützen zu können, so der Appell an die WHO-Generalsekretärin. Die Unterzeichner plädieren für die Vereinbarung eines globalen Rahmenwerks zum Schutz und zur Förderung gesunder Ernährung nach dem Modell der Tabakkontrolle (FCTC = Framework Convention on Tobacco Control), einer „Global Convention to Protect and Promote Healthy Diets“. Zu den weltweit empfohlenen Maßnahmen zählen die Unterzeichner:

• Einschränkungen des Marketings von Lebensmitteln an Kinder
• Regelungen von Gesundheitsbehauptungen auf verpackten Lebensmitteln (Health Claims)
• Rezepturverbesserungen, z. B. Begrenzungen für gesättigte Fette, zugesetzte Zucker, Senkung des Salzgehaltes, Entfernung technologisch bedingter Transfettsäuren in Lebensmitteln
• leicht verständliche Nährwertkennzeichnung auf der Schauseite der Verpackung (front-of-pack)
• Kalorienausweisung bei Außer-Haus-Verzehr in Restaurants
• Steuern (für ungesunde) und finanzielle Anreize (für gesunde) Lebensmittel
• die Berücksichtigung von Folgenabschätzungen für die Gesundheit bei handelspolitischen und Investitionsentscheidungen seitens der Regierungen.

Der Brief erscheint auch in der aktuellen Ausgabe der medizinischen Fachzeitschrift The Lancet.

Quelle: Deutsche Adipositas-Gesellschaft e. V. (DAG)

Bild: © Thinkstock / missbobbit

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