Ernährungsumschau

Erstes interdisziplinäres Allergiezentrum in Deutschland

  • 22.04.2003
  • News
  • Redaktion

Die Zahl der Allergiker steigt beständig, in Deutschland leidet schon jeder sechste unter Heuschnupfen. Hinzu kommen Millionen Menschen, die auf unterschiedlichste Substanzen aus Natur oder Industrie u. a. mit Ausschlag, Atemnot, Schwindel, Übelkeit oder Juckreiz reagieren. Die medizinische Versorgung der Betroffenen ist noch nicht optimal. Das soll sich - zumindest im norddeutschen Raum - künftig ändern: Zusammen mit der im September 2002 neu gegründeten Medizinischen Klinik III der Universität Lübeck befindet sich das bundesweit erste interdisziplinäre Allergie-Zentrum im Aufbau.

Bereits heute besteht auf dem Gebiet der Allergieforschung und -therapie eine enge Kooperation u. a. mit Wissenschaftlern des Forschungszentrums Borstel. Diese soll möglichst bald mit der Gründung des Allergiezentrums auch formal untermauert werden. Zu den Forschungs- und Behandlungsschwerpunkten gehören die Nussallergien. Um den Betroffenen künftig besser helfen zu können, konzentrieren sich die Forschungen auf folgende Fragen:

  • Wie kommt es eigentlich zu einer Allergie? Der Zusammenhang zwischen Allergie und Infektion wird von den Wissenschaftlern unter die Lupe genommen. Erforscht wird vor allem die Bedeutung bestimmter Bakterien (Chlamydia pneumonaie) für Entstehung von allergischem Asthma.
  • Welchen Stellenwert hat das neu entdeckte Erdnuss-Allergen Ara h 6? Ersten Untersuchungen zufolge ist das Protein sehr widerstandsfähig: Es ist hitzestabil - übersteht somit auch höhere Temperaturen bei der industriellen Fertigung oder beim Kochen - und widersetzt sich beim Verdauungsprozess den aggressiven Magensäften. In weiteren Studien muss die Bedeutung des Allergens für den Patienten geklärt werden.
  • Wo liegt der individuelle Schwellenwert, bei dem eine allergische Reaktion ausgelöst wird? Während wenige Mikrogramm von Erdnussproteinen ausreichen, um heftigste Reaktionen zu erzeugen, bereiten beispielsweise Haselnüsse erst im Grammbereich Probleme.
  • Warum reagieren Erdnussallergiker so unterschiedlich? Einige sind nur sensibilisiert, d. h. in ihrem Blut finden sich entsprechende IgE-Antikörper und sie können trotzdem folgenlos Nüsse essen. Bei anderen wiederum sind keine Antikörper nachweisbar; diese sprechen jedoch heftigst auf Erdnüsse an.
  • Wann beginnt die Sensibilisierung? Besonders Säuglinge und Kleinkinder sind gefährdet, eine Erdnussallergie zu entwickeln. Kontrovers diskutiert wird, ob stillende Mütter deshalb auf Erdnussprodukte verzichten sollen oder ob etwa erdnusshaltige Bäder für kleine Neurodermitispatienten allergieauslösend sein können. 22.04.03
Das könnte Sie interessieren
Gerstenfeld. © GYRO PHOTOGRAPHY/amanaimagesRF / Thinkstock
Gesundheitliches Potenzial von β-Glucan aus Gerste und Hafer weiter
Zwei Weintrinker. © Jupiterimages / Goodshoot / Thinkstock
Deutsches Krebsforschungszentrum veröffentlicht ersten Alkoholatlas weiter
Fast 80 Prozent der Teilnehmer gaben an, Nahrungsergänzungsmittel einzunehmen. © baloon111 / iStock / Thinkstock
Veganer haben breites Ernährungswissen – Risikokommunikation dennoch erforderlich weiter
Die individuelle Ernährung kann ein entscheidender Faktor für das Depressionsrisiko sein. © Marjan_Apostolovic / iStock / Thinkstock
Neuer Risikoindex für Depressionen entwickelt weiter
Sportsachen und Lebensmittel. © ProPHN
Beeinflussen wir die Ernährung oder die Ernährung uns? weiter
Als „Superfood“ feiert Ingwer aktuell ein Comeback. © Wavebreakmedia Ltd / Wavebreak Media / Thinkstock
Ernährungstrends, Heilmittel-Richtlinie und Ingwer weiter