Ernährungsumschau

"Süße aus Früchten" ist irreführend

  • 27.05.2009
  • News
  • Redaktion

Obst ist gesund. Demnach muss es der darin enthaltene Fruchtzucker auch sein. Diese Logik lässt viele Verbraucher täglich zu Produkten "ohne Kristallzucker", dafür aber "mit der Süße aus Früchten" greifen. Der Industrie kommt dieser Glaube gerade recht. So lassen sich Produkte wie Softdrinks, Joghurts und Fruchtbonbons, denen statt Haushaltszucker die süßere und preiswertere Fruktose zugesetzt ist, mit dem gesunden Image der Früchte besser verkaufen. Dabei kann Fruktose Übergewicht, Diabetes und Gicht fördern.

Fruchtzucker ist ein Wolf im Schafspelz. Verpackt in ein bis zwei Portionen Obst am Tag ist dieser nicht schädlich. Doch die Kombination aus Fruchtsäften und mit Fruktose gesüßten Produkten lässt uns zum Teil hohe Mengen aufnehmen. Fruchtzucker führt im Gegensatz zur Glukose zu einer geringeren Insulinausschüttung und galt daher jahrelang als diabetikergeeignet. Aber gerade diese Eigenschaft der Fruktose ist eher negativ, vor allem bei hohem Fruchtzuckerkonsum. Insulin signalisiert dem Körper Sättigung. Dieses Gefühl fehlt beim Fruchtzucker nicht nur, Forscher fanden jüngst einen Mechanismus, über den dieser das Hungergefühl noch verstärkt [1]. Ein mit Fruktose gesüßter Fruchtjoghurt dient somit allenfalls als Appetitanreger.

Im Körper geht Fruktose andere Stoffwechselwege als Glukose. Während Insulin die Aufnahme von Traubenzucker in die Zellen reguliert, überschwemmt Fruchtzucker diese ungehindert. Der Körper verstoffwechselt demnach alles was er bekommt. Zudem verfügen wir über keine Fruktosespeicher und sind gezwungen, den Zucker sofort abzubauen. Bei großen Fruktosemengen wandelt die Leber diese direkt in Fett um. Dieser Umstand begünstigt die Entstehung von Übergewicht.

Für Diabetiker geeignet - so steht es auf fruchtzuckergesüßten Diätprodukten. Doch Fruktose selbst kann in hohen Mengen Diabetes begünstigen und die Insulinunempfindlichkeit der Zellen noch verstärken. Zudem fördert der Zucker die Harnsäurebildung und somit auch Gichtanfälle [2].

Literatur
1 Lane MD, Cha SH (2009) Effect of glucose and fructose on food intake via malonyl-CoA signaling in the brain. Biochem Biophys Res Commun 382: 1–5
2 Johnson RJ, Segal MS, Sautin Y et al. (2007) Potential role of sugar (fructose) in the epidemic of hypertension, obesity and the metabolic syndrome, diabetes, kidney disease, and cardiovascular disease. Am J Clin Nutr 86, 899–906
Quelle: Fachgesellschaft für Ernährungstherapie und Prävention (FET) e. V. (27.05.09)

Das könnte Sie interessieren
Lupinenfeld. © Foto Fraunhofer IVV
Fraunhofer Institut entwickelt Erfrischungsgetränk aus Lupinen weiter
Vegane Wurst auf Teller. © dourleak / iStock / Thinkstock
Fleischalternativen dürfen weiterhin "Schnitzel" heißen weiter
PD Dr. Volker Böhm. © Jan-Peter Kasper/FSU
Ehrung für Wissenschaftler Volker Böhm weiter
Gemüse und Fleisch. © tbralnina / iStock / Thinkstock
Fortbildung zur ketogenen Diät weiter
Baby und Mutter beim Stillen. © RomanovaAnn / iStock / Thinkstock
Forschungsvorhaben zum Thema Stillverhalten gestartet weiter
Jenaer Wissenschaftler liefern "fette Infos" für einen gesünderen Lebensstil weiter