Ernährungsumschau

Beginnt die Adipositas im Kopf?

  • 28.01.2009
  • News
  • Redaktion

Ein internationales Wissenschaftlerteam mit deutscher Beteiligung durch das Helmholtz Zentrum München konnte sechs neue Adipositasgene identifizieren. Genexpressionsanalysen zeigten, dass alle sechs Gene in Gehirnzellen aktiv sind.

Auch die beiden vorher schon bekannten Adipositasgene, FTO und MC4R, zeigen ein ähnliches Expressionsmuster; für das MC4R Gen konnte bereits ein genotypabhängiger Einfluss auf das Appetitverhalten beschrieben werden.

Mit Ausnahme eines Gens (SH2B1), welches in der Leptin-Signalkette und damit bei der Appetitregulation eine Rolle spielt, war keines der anderen fünf Gene zuvor als Adipositasgen diskutiert worden.

Wissenschaftler des Nationalen Genomforschungsnetzes (NGFN), Prof. H.-Erich WICHMANN und Dr. Iris HEID vom Institut für Epidemiologie des Helmholtz Zentrums München, leiten die deutsche Beteiligung an dem Konsortium und betonen: "Die beiden Hauptursachen für das Dickwerden sind natürlich falsche Ernährung und mangelnde Bewegung. Aber die Biologie dieser Gene deutet darauf hin, dass genetische Faktoren dahinterstehen, wenn Menschen auf Lebensstil- und Umweltbedingungen unterschiedlich reagieren."

Die Ergebnisse beruhen auf Auswertungen von zwei Millionen DNA-Varianten in mittlerweile 15 genomweiten Assoziationsstudien im Rahmen des internationalen GIANT (Genetic Investigation of Anthropometric Parameters) Konsortiums. Die ermittelten Gene wurden in weiteren 14 Studien mit 59 000 Teilnehmern validiert.

In einem nächsten Schritt wollen die Wissenschaftler nun weitere anthropometrische Größen auswerten, um noch andere Aspekte der Adipositas zu beleuchten. Ferner werden sie noch weitere Studien in ihre Untersuchungen einbeziehen, da klar wurde: Die einzelnen Studien sind alle zu klein angelegt, und nur durch Zusammenarbeit kann man hier weitere Erfolge erzielen.

Dieses Projekt wurde vom Nationalen Genomforschungsnetz (NGFN), den National Institutes of Health, USA, und dem Munich Center of Health Sciences der Ludwig- Maximilians-Universität München finanziert. Die Genotypisierung wurde im Institut für Humangenetik des Helmholtz Zentrums München unter Leitung von Prof. Thomas MEITINGER durchgeführt.
Die Ergebnisse sind veröffentlicht in: Willer et al. (2008) Six New Loci Associated with Body Mass Index Highlight a Neuronal Influence on Body Weight Regulation. Nature Genetics (DOI 10.1038/ng.287) Quelle: Gemeinsame Presseerklärung von Helmholtz Zentrum München und Nationalem Genomforschungsnetz (28.01.09)

Das könnte Sie interessieren
Fast 80 Prozent der Teilnehmer gaben an, Nahrungsergänzungsmittel einzunehmen. © baloon111 / iStock / Thinkstock
Veganer haben breites Ernährungswissen – Risikokommunikation dennoch erforderlich weiter
Die individuelle Ernährung kann ein entscheidender Faktor für das Depressionsrisiko sein. © Marjan_Apostolovic / iStock / Thinkstock
Neuer Risikoindex für Depressionen entwickelt weiter
Sportsachen und Lebensmittel. © ProPHN
Beeinflussen wir die Ernährung oder die Ernährung uns? weiter
Als „Superfood“ feiert Ingwer aktuell ein Comeback. © Wavebreakmedia Ltd / Wavebreak Media / Thinkstock
Ernährungstrends, Heilmittel-Richtlinie und Ingwer weiter
Zuckerrübenfeld: Weltmarktpreis für Zucker derzeit hoch. © Allexxandar / iStock / Thinkstock
EU-Zuckerquote aufgehoben weiter
Bakteriophage dringt in Bakterium ein. © Dr_Microbe / iStock  / Thinkstock
Wissenschaftler sehen Potenzial für Bakteriophagen-Einsatz weiter