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Kompetenznetzwerk Enterale Ernährung: Wie sollen mangelernährte Patienten künftig ambulant versorgt werden?

  • 28.11.2012
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Die Verordnung enteraler Ernährung bei Patienten mit angeborenen Stoffwechselerkrankungen ist unumstritten und erstattungsfähig – sowohl stationär als auch ambulant. Unklarer ist hingegen die Erstattungsfähigkeit im ambulanten Bereich bei (erwachsenen) Patienten mit krankheitsbedingter Mangelernährung. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) überarbeitet derzeit die Arzneimittelrichtlinie zur enteralen Ernährung.

Um praktikable Vorschläge für einen Lösungsansatz zu liefern, erarbeitete das Kompetenznetzwerk Enterale Ernährung im Zuge dieser gesundheitspolitischen Debatte Vorschläge für sachgerechte Bewertungskriterien zur Verordnung von bilanzierten Diäten zur enteralen Ernährung. Zudem begleitete das Kompetenznetzwerk die Erarbeitung eines praktischen Leitfadens (Algorithmus) für den verordnenden Arzt zum supportiven Einsatz von Trinknahrungen in der ambulanten Versorgung erwachsener Patienten durch die Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM). Der Algorithmus ist an die Überarbeitung der S3-Leitlinie der DGEM gekoppelt und wurde in der Oktoberausgabe der Aktuellen Ernährungsmedizin [1] publiziert. In einem öffentlichen Symposium sind die Vorschläge des Kompetenznetzwerks Enterale Ernährung erstmals am 24. Oktober einem ausgewählten Expertenkreis in Berlin vorgestellt worden. Organisiert wurde das Symposium vom Diätverband e. V. (Bundesverband der Hersteller von Lebensmitteln für eine besondere Ernährung) in Kooperation mit dem Bundesverband Medizintechnologie e. V. (BVMed).

Den konsentierten Algorithmus stellte Prof. Dr. Arved Weimann, Erstautor und Geschäftsführender Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Visceralchirurgie, Klinikum St. Georg in Leipzig, vor. Zwei Grundfragen galt es für das Kompetenznetzwerk Enterale Ernährung zu klären:
1. Was sind verordnungsfähige bilanzierte Diäten zur enteralen Ernährung und wie lassen sich diese von anderen nicht-verordnungsfähigen Produkten abgrenzen?
2. Wann werden bilanzierte Diäten zur enteralen Ernährung verordnet und wie lassen sich die therapiebedürftigen Patienten identifizieren?

Eine Antwort auf die erste Frage bietet die 2011 veröffentlichte Kategorisierung der Produkte für enterale Ernährung [2]. Der nun veröffentlichte Algorithmus zeigt klar definierte Ein- und Ausstiegskriterien für den Einsatz von Trinknahrungen in der ambulanten Versorgung. So wurde bspw. festgelegt: Erfolgskriterium unter der Einnahme von Trinknahrung ist eine Gewichtszunahme von 2 kg ab Beginn der Einnahme von Trinknahrung. Nicht außer Acht gelassen wird zudem der Grundsatz, dass stets so lange wie möglich alle Möglichkeiten der oralen Nahrungszufuhr einschließlich diätetischer Beratung und Nahrungsanreicherung ausgeschöpft werden müssen. „Mithilfe des Leitfadens können das Risiko einer krankheitsbedingten Mangelernährung erkannt und entsprechend frühzeitig eine supportive Ernährungstherapie mit Trinknahrungen begonnen werden. Sobald diese das gewünschte ernährungstherapeutische Ziel erreicht, können Trinknahrungen auch wieder abgesetzt werden“, schlussfolgert Dr. Ute GOLA vom Dr. Gola Institut für Ernährung und Prävention in Berlin in der Diskussionsrunde. Hervorzuheben ist überdies: Ernährungsberatung durch eine Ernährungsfachkraft ist fest im Leitfaden verankert.

Konsens bestand unter den Symposiumsteilnehmern besonders bezüglich der Orientierung an der individuellen Ernährungssituation des Patienten: Die Therapiebedürftigkeit müsse über den Ernährungszustand erfasst werden, nicht über die Grunderkrankung. Dies setzt voraus, dass Allgemeinmediziner und medizinisches Personal im ambulanten als auch stationären Bereich dahingehend sensibilisiert werden müssen, den Ernährungsstatus zu erfassen – als Standardbedingung zumindest den BMI. Hier ist eine Initiative wie der jährlich stattfindende nutritionDAY sicherlich zielführend. Solche öffentlichkeitswirksamen Maßnahmen braucht es auf dem Gebiet der Mangelernährung – auch der deutsche Leitfaden könnte Signalwirkung auf andere Länder haben.
Literatur: 1. Weimann A, Schütz T, Lipp T et al. (2012) Supportiver Einsatz von Trinknahrung in der ambulanten Versorgung von erwachsenen Patienten – ein Algorithmus. Aktuelle Ernährungsmedizin 37: 282–286
2. Stippler D, Bode V (2011) Vorschlag zur praxisorientierten Kategorisierung diätetischer Lebensmittel für besondere medizinische Zwecke. Aktuelle Ernährungsmedizin 36: 169–174
3. Kompetenznetzwerk Enterale Ernährung (Hg) Vorschläge für eine sachgerechte Bewertung der Verordnungsvoraussetzungen und der Verordnungsfähigkeit von bilanzierten Diäten zur enteralen Ernährung. Oktober 2012 (28.11.12)

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