Ernährungsumschau
© matka_Wariatka / iStock / Thinkstock
Yerba Mate mit traditionellem Trinkgefäß © matka_Wariatka / iStock / Thinkstock

Trendprodukt Mate: Der Wachmacher aus Südamerika

Erfrischungsgetränke mit Mate sind seit einiger Zeit im Trend: Sie sollen anregend wirken, denn Mate enthält deutlich mehr Koffein als Schwarztee oder Kaffee. Ob die Traditionspflanze aus Lateinamerika auch gesundheitsfördernde Eigenschaften besitzt, wird derzeit noch erforscht.

Viele dürften sich noch an ihre Reaktion nach der ersten Tasse Kaffee oder nach dem ersten Schluck Bier erinnern: Der bittere Geschmack erzeugte zunächst Unbehagen. So kann es vorkommen, dass auch überzeugte Teetrinker bei der ersten Tasse Matetee das Gesicht verziehen.

Zugegeben, der tabakartige Geschmack ist gewöhnungsbedürftig, hat aber Wiedererkennungswert. Er entsteht bei den verschiedenen Verarbeitungsstufen wie der Fermentierung und der Röstung der rohen Mateblätter über Holzrauch. (1)

Während Matetee und matehaltige Getränke hierzulande noch an Bekanntheit gewinnen, haben sie in den Anbauländern seit Jahrhunderten Tradition oder gelten sogar als Nationalgetränk. Beheimatet ist der Matebaum (lat. Ilex paraguariensis, auch bekannt als yerba mate) in Südamerika. Hauptlieferanten sind laut Statistik der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay. Insgesamt wurden im Jahr 2012 für den Weltmarkt knapp 888 750 Tonnen Mate geerntet. (2)

„Epidemiologische Studien in Argentinien haben gezeigt, dass die Menschen dort deutlich mehr Koffein zu sich nehmen als zum Beispiel Menschen in Europa“, sagt Dirk Lachenmeier vom Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt in Karlsruhe – einer der Autoren der oben genannten Studie – über die in Zusammenarbeit mit der Hochschule Albstadt-Sigmaringen gewonnenen Erkenntnisse. Das liege vor allem am hohen Matekonsum.

Kaffees Konkurrenz: Mate enthält viel Koffein

"In einer Tasse Matetee kann mehr als doppelt so viel Koffein stecken wie in einer Tasse mit normalem Schwarztee", so Lachenmeier. Der Lebensmittelchemiker hat für den wissenschaftlichen Beitrag in der Ernährungs Umschau (10/2014) die Koffeingehalte von sechs zufällig ausgewählten Mateprodukten gegenübergestellt.

Den höchsten Anteil hatte grüner Matetee aus Argentinien mit 1,4 g Koffein auf 100 g Teepulver. Aber auch Erfrischungsgetränke mit Matezusatz sind seit einiger Zeit erhältlich und werden über das enthaltene Koffein als den Energy-Drinks ähnliches „Wachmach-Getränk“ vermarktet.

Gesundheitsbezogene Aussagen, wie ein den Fettstoffwechsel anregender Effekt durch Matekonsum, sieht Lachenmeier skeptisch. Hier gäbe es noch keine ausreichenden wissenschaftlichen Belege.  „Im Gegensatz zu gesundheitsbezogenen Aussagen über die gesamte Matepflanze ist der Effekt des Mateinhaltsstoffs Koffein zur Steigerung der Aufmerksamkeit allerdings nachweisbar und somit auch offiziell von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) anerkannt“, sagt er.

Für eine nachweislich höhere Aufmerksamkeit seien mehr als 75 mg Koffein pro Portion notwendig. Diesen Wert erreicht man bereits mit einer Tasse Matetee à 150 ml.

(mya)

Die Studie zum Thema Mate in Lebensmitteln und Getränken finden Sie in der Oktober-Ausgabe der ERNÄHRUNGS UMSCHAU 2014. (Winkler G, El Damaty M, Schröder C, Lachenmeier DW (2014) Mate – a “new“ caffeine-containing ingredient for the food an beverage industry. Ernahrungs Umschau 61(10): 160–163. DOI: 10.4455/eu.2014.027)

Quellen:
1. Heck CI, De Mejia EG (2007) Yerba mate tea (Ilex paraguariensis): a comprehensive review on chemistry, health implications, and technological considerations. Journal of Food Science 72(9): R139

2. Food and Agricultural (FAO) Statistics Division für 2012. URL: faostat3.fao.org/faostat-gateway/go/to/browse/Q/QC/E, Zugriff am: 25.09.2014

Das könnte Sie interessieren
© ASC Göttingen
Projekt „fit für PISA Plus“ macht Kindern Lust auf gute Ernährung und Bewegung weiter
© altrendo images / Stockbyte / Thinkstock
Entwicklung und Test eines Messinstruments zur „nutrition literacy" weiter
© Mike Watson Images / moodboard / Thinkstock
Alter beeinträchtigt zellulären Eiweißabbau weiter
© Magone / iStock / Thinkstock
Superfoods – zwischen Chancen und Risiken weiter
© Monkey Business Images Ltd / Monkey Business / Thinkstock
„Werkzeug" mit großer Zukunft weiter
Fast Food auf Tisch.© Matthew Ennis / iStock / Thinkstock
Stört fettreiches Essen die Hirnreifung? weiter