Psyche: Stigma Adipositas begünstigt psychische Erkrankungen

Ein Wissenschaftlerteam um Dr. Claudia Sikorski analysierte für das Integrierte Forschungsund Behandlungszentrum (IFB) AdipositasErkrankungen in Leipzig den Zusammenhang zwischen der Stigmatisierung von stark übergewichtigen Menschen und psychischen Belastungen und Störungen.

Angelehnt an Mark Hatzenbuehlers Erklärungsansatz zu den Auswirkungen von Stigmatisierung bei homosexuellen Menschen entwickelten Sikorski et al. anhand der Analyse von 46 wissenschaftlichen Studien ein Modell derjenigen Prozesse, die zur größeren Anfälligkeit adipöser Patienten für psychische Erkrankungen führen. Die Betroffenen hätten nicht nur ein vermindertes Selbstwertgefühl und eine verminderte Fähigkeit zur Problembewältigung (coping) – hinzu kämen weitere Risikofaktoren wie negative Selbstwahrnehmung, vermehrte Einsamkeit und der Mangel an sozialer Unterstützung.

Stark übergewichtige Menschen nehmen außerdem oftmals das negative Fremdbild, das sich durch die Stigmatisierung zeigt, als Selbstbild an. Diese Stigmatisierung und das Selbststigma tragen zur Erhaltung oder Verschlimmerung der Adipositas bei – ein Teufelskreis. Die Wissenschaftler suchen nach therapeutischen Ansätzen, um diesen zu durchbrechen. In einer Folgestudie befragt Sikorskis Team in Kooperation mit dem forsa-Meinungsforschungsinstitut rund 1 000 Erwachsene mit Adipositas zu ihren Erfahrungen und ihrem Umgang mit Stigmatisierung.


Quelle: IFB AdipositasErkrankungen, Pressemeldung vom 15.01.2015

Literatur: 1. Sikorski C, Luppa M, Luck T, Riedel-Heller SG (2014) Weight stigma “gets under the skin”– evidence for an adapted psychological mediation framework– a systematic review. Obesity 23: 266–276

Den vollständigen Artikel finden Sie auch in Ernährungs Umschau 03/15 auf Seite M136.

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