Lebenserwartung: Alterungsprozess setzt immer später ein

Seit über 170 Jahren steigt die Lebenserwartung der Menschen in den entwickelten Ländern kontinuierlich um durchschnittlich fast drei zusätzliche Lebensmonate pro Jahr. Zahlreiche Obergrenzen, die Experten in der Vergangenheit als unüberwindbar vorschlugen, wurden dabei durchbrochen.

Wie aus einem Übersichtsartikel des Max-Planck-Instituts für Demographische Forschung hervorgeht, ist auch gegenwärtig kein Abflachen des Anstiegs in der Lebenserwartung auszumachen. Dabei scheint es keine individuell in den Genen festgeschriebene, natürlich vorbestimmte Lebensspanne eines Menschen zu geben. Wie Zwillingsstudien zeigen, hängt die Chance auf ein langes Leben nur zu etwa 25% von der genetischen Ausstattung eines Menschen ab. Von Bedeutung sind vielmehr ein allgemeiner Anstieg im Lebensstandard, eine bessere Ernährung, Fortschritte in der Medizin und in der Gesundheitsversorgung sowie soziale Faktoren.

Dabei nimmt die Lebenserwartung nicht zu, weil der Alterungsprozess sich insgesamt verlängert, sondern weil er immer später einsetzt. Heute in Deutschland oder einem anderen Industriestaat Geborene können nicht nur darauf hoffen, den 100. Geburtstag zu feiern, sondern auch die Zeit bis zum 90. Lebensjahr in zufriedenstellender körperlicher und geistiger Gesundheit zu verbringen. Der Autor meint, angesichts solcher Entwicklungen sei ein Arbeitsleben wie bisher mit einer sich immer weiter verlängernden Phase ohne berufliche Arbeit ab dem Alter von Mitte 60 nicht sinnvoll. Man werde aufgrund der Änderungen in der Bevölkerungsstruktur auf die Älteren als Arbeitskräfte nicht ohne Weiteres verzichten können.

Insgesamt ließe sich die Arbeit zukünftig aber sogar gleichmäßiger über alle Altersgruppen verteilen. Im Vergleich zu heute hieße dies, etwas weniger zu arbeiten, wenn der Nachwuchs der täglichen Fürsorge bedarf, und ein wenig mehr, wenn die Kinder groß und aus dem Haus sind. Literatur: Vaupel, JW Biodemography of human ageing. Nature 464: 536–542. Quelle: Demografische Forschung 2/2010

Den vollständigen Artikel finden Sie in Ernährungs Umschau 10/10 auf Seite 522.

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