Ernährungsumschau

Kommunikation in der Prävention

Kommunikation ist wichtig, denn wenn man den Adressaten damit nicht erreicht, funktioniert sie nicht… Wie eine treffsichere, attraktive und zielgruppenspezifische Kommunikation in der Prävention gelingen kann, erläuterte Prof. Dr. Christoph KLOTTER beim diesjährigen Bundeskongress des VDD in Wolfsburg.

Essrealität

Unser Alltagsverstand legt uns nahe, dass Menschen mit Ernährungsproblemen darüber informiert werden müssen, was sie falsch machen, damit diese Menschen einsichtig sind und sie ihr Essverhalten dementsprechend ändern. Die Realität liefert jedoch ein anderes Bild:

  • Essen ist zu etwa 80 % von Emotionen und vom Unbewussten bestimmt; das limbische System fordert bedingungslos Belohnung ein. Es bestimmt unser Denken. Essen ist die Belohnung schlechthin.
  • Unsere Kultur und unsere soziale Lebenslage determinieren, was wir essen. Mit einem kulturspezifischen Essen demonstrieren wir Zugehörigkeit. Hierauf gründet sich unsere Identität, und Identität ist zweifellos wichtiger als Gesundheit. 
  • Unsere genetische Programmierung fordert: Iss so viel Du kannst, wenn Lebensmittel ausreichend verfügbar sind! Iss möglichst viel Fettes und Süßes! Ohne diese Programmierung hätte unsere Spezies nicht überlebt. 100 Jahre Überflussgesellschaft haben an dieser Programmierung nichts geändert. Vernunft hat gegen diese Programmierung geringe Chancen. 
  • Das Phänomen des Hungers, das die ganze Menschheitsgeschichte durchzieht, ist zwar in den westlichen Industrienationen verschwunden, und dennoch auf der unbewussten Ebene präsent. Sozial schlechter Gestellte fühlen sich vom Hunger stärker bedroht und konsumieren auch deshalb oft mehr energiedichte Lebensmittel.
  • Gesundheit und Essen haben sich moralisiert. Wir sind dann gute Bürgerinnen und Bürger, wenn wir uns gesund ernähren. Diese Moralisierung löst Widerstand aus. Vor allem Männer wollen sich dem wahrgenommenen Gesundheitsdiktat nicht unterwerfen.


Die vollständigen Mitteilungen des VDD finden Sie auch in Ernährungs Umschau 9/17 von Seite M528 bis M529.

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