Im Fokus: Unentschieden

Prof. Dr. Helmut
Erbersdobler HerausgeberIn der Juli-Ausgabe der Ernährungs Umschau prallen Einschätzungen aufeinander , wie am Beispiel des am meisten betroffenen Nährstoffes Kalzium erläutert wird...

Das Forschungsinstitut für Kinderernährung (FKE) in Dortmund stellt sich auf den Standpunkt, dass die Mittagsmahlzeit für Schüler nicht sehr reich an Kalzium sein muss, weil die Kalziumversorgung hauptsächlich dem Frühstück vorbehalten sein sollte.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) dagegen ist der Auffassung, dass es mit der Versorgungslage für Kalzium bei Kindern in Deutschland nicht zum Besten stehe, sodass man in der institutionellen Schul-Mittags-Verpflegung den Kalziumgehalt kompensatorisch etwas höher ausrichten sollte. Diese Auffassung war bereits früher vertreten und diskutiert worden (s. EU 55, 466–73).

Nun hat jedes der beiden Argumente etwas für sich. Eine gewisse „Trennkost“ bei Kalzium ist nicht unsinnig, da Kalzium v. a. in höheren Dosen die Absorption insbesondere von Eisen aus dem Mittagessen beeinträchtigt. Es ist allerdings fraglich, ob dieser Effekt bei der hier geplanten Dosierung schon eintritt. Die Versorgungslage bei Eisen ist laut Ernährungsbericht 2008 so, dass etwa die Hälfte der Kinder ein Risiko der Unterversorgung hat. Dies spräche für die Argumente des FKE.

Für die DGE-Auffassung spricht, dass man im Zweifel für die Schwächeren in unserer Gesellschaft sorgen sollte, und das sind die Kinder aus sozial benachteiligten Gruppen. Für sie ist oft das Schulessen die einzige ordentliche Mahlzeit am Tage.

Man könnte diese Patt-Situation dahingehend auflösen, dass man eine flexible Vorgehensweise anstrebt und zwar je nach schulischem Umfeld. Da dies vermutlich nicht geht, sollten sich die Kontrahenten tunlichst einigen!

Herzlichst, Ihr Helmut Erbersdobler

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