Nachschlag: Kleine Päckchen, große Wirkung

Kennen Sie Snus – den neuesten Trend unter Jugendlichen? Was für die junge Generation allseits bekannt ist, musste mir erst einmal erklärt werden, denn ich hatte bislang von den Tabakbeuteln, die man sich unter die Oberlippe klemmt, noch nichts gehört. „Die liegen überall auf dem Boden herum, auf dem Spielplatz, an der Bushaltestelle“, wurde ich belehrt.

Die nach dem Konsum einfach achtlos ausgespuckten „Päckchen“ waren mir zuvor noch nie aufgefallen. Der Trend komme aus Schweden, man könne die nikotinhaltigen Beutel dort „an jeder Ecke kaufen“. In Schweden wird Snus schon seit vielen Jahren verwendet und somit war es nur eine Frage der Zeit, bis diese Art des aus der schwedischen Tradition hervorgegangenen Nikotinkonsums Erwachsener in die Nachbarländer überschwappt.
Dieser Trend bleibt, wie soll es auch anders sein, nicht auf über 18-Jährige beschränkt. In einer Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e. V. (DGP) wird berichtet, dass immer mehr Kinder und Jugendliche in Deutschland zu Nikotinbeuteln greifen1. Dabei ist in Deutschland der Verkauf von tabakhaltigem Snus und Nikotinbeuteln verboten bzw. stark eingeschränkt. Wie also verschaffen sich die Jugendlichen Snus? Werden Kofferraumladungen voller Tabakbeutel aus dem Schwedenurlaub nach Deutschland importiert und an Freunde und Bekannte verteilt? Wohl kaum. Laut DGP unterlaufen Nikotinbeutel in Deutschland gesetzliche Bestimmungen – es scheint möglich zu sein, ohne Alterskontrolle auf deutschsprachigen Websites die Beutel zu bestellen. Dabei seien für den Konsum vielfältige Gesundheitsrisiken (Herz-Kreislauf-System, Mundgesundheit) belegt, insbesondere bei hochdosierten Nikotinbeuteln.
In diesem Heft wird im Specialbeitrag eindringlich vor muscimolhaltigen Lebensmitteln in kinderfreundlicher Aufmachung gewarnt. Auch hier ist es ein „Kinderspiel“, an die Produkte zu gelangen. Neben E-Zigaretten, Energydrinks und Süßigkeiten wurden diese bereits in Verkaufsautomaten, die üblicherweise in der Nähe von Schulen stehen, angeboten. Hier hat, zumindest in unserem Landkreis, der Jugendschutz funktioniert: Die an Gummibärchen anmutenden Produkte wurden aus den Automaten entfernt und Pressemeldungen mit Warnhinweisen veröffentlicht. Über Sinn oder Unsinn solcher Automaten bzw. zu den dort angebotenen, hochkalorischen Produkten, insbesondere in der Nähe von Schulen, lässt sich streiten, eine konsequentere, deutschlandweite Umsetzung und Stärkung des Jugendschutzes bzgl. gesundheitsgefährdender „Genussmittel“ scheint jedoch zwingend notwendig.

Ihre Caroline Krämer

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1 https://pneumologie.de/aktuelles-service/presse/pressemitteilungen/neue-studie-nikotinbeutel-und-e-zigaretten-unterlaufen-deutschland-gesetzliche-bestimmungen-jugendschutz-haeufig-unwirksam 



Diesen Artikel sowie eine Vorschau auf das nächste Heft finden Sie auch in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 12/2025 auf Seite M768.

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