Ernährungsumschau

Bekämpfung des Hungers - FAO zur Welternährungslage

Anlässlich der 120. Sitzung des Rates der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen , die vom 18. bis 23. Juni in Rom stattfand, wurde intensiv die gegenwärtige Welternährungssituation diskutiert. Nach einem vom FAO-Sekretariat vorgelegten Bericht zeigen sich trotz der kontinuierlich, allerdings ungleich wachsenden Weltwirtschaft und ungeachtet der Verfügbarkeit erheblicher Nahrungsmittelreserven nur geringe Fortschritte bei der Verbesserung der Ernährungssicherheit in vielen Entwicklungsländern. Dabei besteht die großen Unterschiede zwischen Regionen und Ländern fort.

Nach neuesten Schätzungen waren im Zeitraum 1996–1998 etwa 792 Mio. Menschen in Entwicklungsländern chronisch unterernährt. Damit scheint sich der Trend der letzten Jahre, das allmähliche Absinken der Zahl chronisch unterernährter Menschen in Entwicklungsländern, vorerst nicht fortzusetzen. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung liegt bei ca. 18 Prozent. Zwanzig Jahre zuvor betrug er aber noch 29 Prozent. Deutlichen Fortschritten in Ostasien steht eine vor allem durch Armut, aber auch im Gefolge von Krieg und Naturkatastrophen verursachte Verschlechterung der Ernährungssicherheit insbesondere im subsaharischen Afrika gegenüber.

Immer noch sind zahlreiche Länder mit akuten Ernährungsengpässen konfrontiert. Mit Stand April 2001 waren davon 60 Mio. Menschen in 36 Ländern betroffen. Die Nahrungsmittelhilfe für Entwicklungsländer im Umfang von 7,5 Mio. Tonnen Getreide (1999–2000) konnte diese Situation nur teilweise lindern. Für die Entwicklungsländer weist die FAO eine zwischen 1996 und 2000 jährlich um 3,5 Prozent gewachsene Nahrungsmittelproduktion aus; 1991–1995 lag das Wachstum noch bei 4,2 Prozent pro Jahr. Demgegenüber ist die Nahrungsmittelproduktion weltweit 1996–2000 rascher gewachsen als in der Vorperiode.

Vor diesem Hintergrund stimmte die Mehrheit der Mitglieder auf der 120. Sitzung des FAO-Rates der Einrichtung eines freiwilligen Fonds zur Bekämpfung der Unterernährung zu, insbesondere zur Unterstützung des FAO-Spezialprogramms zur Ernährungssicherung. Vorausgegangen war eine turbulente Diskussion am letzten Tag der Ratstagung, in der die Vertreter einer Reihe von Entwicklungsländern den Industrieländern vorwarfen, angesichts der 1996 auf dem Welternährungsgipfel in Rom eingegangenen Verpflichtungen und der nur geringen Fortschritte bei der Bekämpfung des Hungers in den letzten Jahren nicht ausreichend finanzielle Ressourcen bereitzustellen.

Die Einrichtung des Fonds war einer der umstrittensten und im Ergebnis offenen Diskussionspunkte einer Arbeitsgruppe, die eine kurze und prägnante Abschlusserklärung zum "Welternährungsgipfel: Fünf Jahre danach" erarbeiten sollte. Weitere intensiv diskutierte Abschnitte der Resolution waren die Zusammenhänge zwischen der zunehmenden Globalisierung und der Ernährungslage in der Welt, die Bedeutung einer guten Regierungsführung in den betroffenen Ländern und die Frage der sinnvollsten Ansatzpunkte für Maßnahmen zur Verbesserung der Ernährungssituation: Förderung von technischem Fortschritt und von Investitionen in der Landwirtschaft oder aber ein breiterer Ansatz der Armutsbekämpfung ohne besondere Bevorzugung landwirtschaftlicher Aktivitäten?

Erwartungsgemäß blieb die Frage der Höhe des regulären Haushaltes zur Finanzierung des Arbeitsprogramms umstritten. Die Beschlussfassung dazu wird auf der FAO-Konferenz im November erfolgen.

Weitere Kurzberichte finden Sie in Ernährungs-Umschau 07/01 ab Seite 294.

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