Proteintrend: Proteinshakes: Bedarf, Nutzen und was der Körper wirklich braucht
- 15.02.2026
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- Redaktion
Proteinreiche Ernährung liegt im Trend. „Protein ist ein essenzieller Makronährstoff, aber das bedeutet nicht, dass mehr immer besser ist“, sagt Dr. med. Katharina Hupa-Breier, Funktionsoberärztin für Ernährungsmedizin an der Medizinischen Hochschule Hannover und Sprecherin der AG Ernährungsmedizin der DGVS. „Problematisch wird es insb., wenn sich der Eindruck verfestigt, man brauche als gesunder Mensch täglich einen Proteinshake, um sich gut zu ernähren. Das stimmt schlicht nicht.“
Wie viel Protein ist notwendig? Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt für gesunde Erwachsene eine tägliche Proteinzufuhr von 0,8 g/kg Körpergewicht [1]. Bei einem Gewicht von 70 kg entspricht das 56 g Protein – eine Menge, die sich mit einer ausgewogenen Mischkost problemlos erreichen lässt. Menschen mit bestimmten chronischen Erkrankungen wie Krebs oder Leber- und Darmerkrankungen können individuell einen höheren Bedarf haben – hier kann eine ärztlich begleitete Ernährungstherapie sinnvoll sein.
„In der Behandlung von Adipositas können proteinreiche Mahlzeitenersatzprodukte für ausgewählte Patientinnen und Patienten temporär ein sinnvolles Therapiekonzept darstellen, da insb. bei einer energiearmen Kost auf eine ausreichende Proteinzufuhr geachtet werden sollte“, betont Dr. Hupa-Breier. „Was wir aber zunehmend beobachten, ist der Trend zur Dauerlösung im Alltag, unabhängig vom gesundheitlichen Status. Das ist aus ernährungsmedizinischer Sicht nicht sinnvoll.“
Künstliche Süßstoffe: Viele Proteinshakes werden als „ohne Zuckerzusatz“ angeboten und enthalten künstliche Süßstoffe wie Sucralose oder Xylit.
Eine Studie zeigt [2], dass Sucralose die Aktivität im Hypothalamus im funktionellen MRT (Magnetresonanztomografie) steigert – einem Hirnareal, das für Hunger und Sättigung verantwortlich ist. Das subjektive Hungergefühl nahm bei den Proband*innen rund eine halbe Stunde nach dem Konsum deutlich zu. „Künstliche Süßstoffe wie Sucralose senden dem Gehirn ein Signal von Süße, ohne die dazugehörige Energie zu liefern. Dadurch werden im Gehirn kurzfristig Prozesse beeinflusst, die an der Steuerung des Hungergefühls beteiligt sind“, erklärt Privatdozentin Dr. med. Monika Rau, Oberärztin an der Hepatologie der Medizinischen Klinik II des Universitätsklinikums Würzburg.
Auch Veränderungen im Darmmikrobiom, die in experimentellen Studien mit dem Konsum von Süßstoffen in Verbindung gebracht wurden, könnten das Risiko für Übergewicht und Diabetes erhöhen. „So kann es bei manchen Menschen paradoxerweise zu ungünstigen Veränderungen der Hunger- und Sättigungssignale kommen.“
Auch Xylit gerät zunehmend in die Kritik: Eine aktuelle Beobachtungsstudie [3] zeigt, dass erhöhte Xylit-Konzentrationen im Blut mit einem um 57 % erhöhten Risiko für schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse wie Herzinfarkt oder Schlaganfall verbunden waren. Labordaten legen nahe, dass Xylit die Reaktivität der Blutplättchen erhöht und so die Gerinnselbildung begünstigen könnte. „Diese Ergebnisse unterstreichen, dass mögliche gesundheitliche Effekte von Zuckeraustauschstoffen differenziert betrachtet und auch langfristig untersucht werden sollten“, betont Dr. Rau.
DGVS-Empfehlung: Die DGVS plädiert für eine ausgewogene, proteinbewusste Ernährung auf Basis unverarbeiteter Lebensmittel. „Hülsenfrüchte, Milchprodukte, Fisch, Eier oder Nüsse liefern hochwertiges Protein – ganz ohne Zusatzstoffe“, so Prof. Dr. med. Birgit Terjung, Mediensprecherin der DGVS. Wer nachhaltig abnehmen möchte, braucht keine Pulver oder Spezialprdukte. Für Patient*innen mit starkem Übergewicht [4] kann eine therapeutisch begleitete Ernährung inklusive Mahlzeitenersatzphasen sinnvoll sein – aber eben nicht ohne fachliche Begleitung.
Literatur
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): Referenzwert Protein. www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/protein/ (last accessed on 6 January 2026).
- Chakravartti SP, Jann K, Veit R, et al.: Non-caloric sweetener effects on brain appetite regulation in individuals across varying body weights. Nat Metab 2025; 7, 574–85.
- Witkowski M, Nemet I, Li XS, et al.: Xylitol is prothrombotic and associated with cardiovascular risk. EHJ 2024; 45(27): 2439–52.
- Hollstein T: Die Rolle von Proteinen. Deutsches Ärzteblatt 2024; 121(5): 314–16.
Quelle: Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS), Pressemeldung vom 04.01.2026
Diesen Artikel finden Sie auch in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 2/2026 auf Seite M69.