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Online News: Leopoldina veröffentlicht Positionspapier zur Prävention und Therapie von Adipositas

  • 09.03.2026
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  • Redaktion

Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina hat einen Policy Brief zur Eindämmung der Adipositas-Epidemie in Deutschland veröffentlicht. Darin empfiehlt sie Strategien zur Prävention und Therapie von Adipositas.

In der Reihe „Leopoldina Fokus“ erscheinen Policy Briefs, die aktuelle Themen aus wissenschaftlicher Perspektive einordnen. Sie basieren auf dem fachlichen Austausch ausgewiesener Expert*innen der Leopoldina. Der Policy Brief mit dem Titel „Prävention stärken & neue Therapieansätze nutzen: Wie lässt sich die Adipositas-Epidemie eindämmen?“ wurde von der Arbeitsgruppe „Strategien zur Prävention und Therapie der Adipositas“ erarbeitet.

Trotz zahlreicher existierender Präventionsbemühungen geht die Zahl der an Adipositas erkrankten Personen nicht zurück. Die Wirksamkeit der bisherigen politischen Anstrengungen und Strategien ist daher fraglich. Die Autor*innen sehen die Bekämpfung von Adipositas als gesamtgesellschaftliche Herausforderung, die nur sektorübergreifend, interdisziplinär und ressortübergreifend bewältigt werden kann.

Der Policy Brief stellt dar, dass Adipositas neben den vielfältigen und teils schwerwiegenden Auswirkungen auf Gesundheit und Lebensqualität auch hohe gesamtgesellschaftliche Kosten verursacht. Laut den Autor*innen werden die Folgekosten auf etwa 2,6 % des deutschen Bruttoinlandsprodukts geschätzt, also auf rund 113 Milliarden Euro. Eine Kombination aus Präventionsmaßnahmen und neuen Therapieansätzen könnte Kosten senken und zugleich erhebliche Gesundheitsgewinne ermöglichen.

Die Adipositasprävention erfordert einen umfassenden und langfristigen Ansatz, der sowohl gesellschaftliche Rahmenbedingungen als auch individuelles Verhalten berücksichtigt. Ziel ist es, gesunde Lebensbedingungen zu schaffen, gesundheitsförderndes Verhalten zu erleichtern und Hochrisikogruppen in der Bevölkerung frühzeitig zu erkennen.

Die Autor*innen sehen frühe Präventionsmaßnahmen, die bereits in der Schwangerschaft oder in Kitas ansetzen, als einen entscheidenden Hebel. Sie empfehlen zudem regulatorische Maßnahmen wie Abgaben auf stark zucker- oder fetthaltige Lebensmittel und Getränke. Maßnahmen dieser Art könnten auch durch eine Verringerung der Abgaben auf gesunde Lebensmittel begleitet werden. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Schaffung gesunder Lebenswelten, die eine gesunde Ernährung und regelmäßige Bewegung fördern. Zudem sollte eine nationale Adipositas-Präventionsinitiative ins Leben gerufen werden, die Maßnahmen ressortübergreifend koordiniert und die Datengrundlage zur Adipositas verbessert.

Neben umfassenden Präventionsmaßnahmen wird auch die Wichtigkeit effektiver therapeutischer Ansätze betont, um Betroffene zu behandeln und ihre Lebensqualität nachhaltig zu verbessern. Dazu müssen verschiedene Therapieformen individuell auf die Bedürfnisse abgestimmt werden. Die Autor*innen nennen drei Therapieansätze: pharmakologische Ansätze, Lifestyle-Interventionen und – wo nötig – chirurgische Therapien wie Magenbypässe.

Besonders hervorgehoben werden Medikamente wie Abnehmspritzen, sogenannte Inkretin-Mimetika. Diese ermöglichen einen effektiven Gewichtsverlust und beeinflussen Begleiterkrankungen wie Typ-2-Diabetes und kardiovaskuläre Erkrankungen positiv. Allerdings sind die derzeit hohen Kosten dieser Medikamente eine wesentliche Hürde für ihre breite Anwendung. Derzeit verhindert die Gesetzgebung, dass die Kosten der Inkretin-Mimetika zur Behandlung von Adipositas von den Krankenkassen übernommen werden. Die Autor*innen halten daher eine Anpassung der Gesetzgebung für dringend erforderlich, um diese Medikamente für Personen mit Adipositas zugänglich zu machen.

Literatur:

1. Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina. Prävention stärken & neue Therapieansätze nutzen: Wie lässt sich die Adipositas Epidemie eindämmen? Leopoldina Fokus Nr. 5, Januar 2026. Halle (Saale) DOI: https://doi.org/10.26164/leopoldina_03_01314


Quelle: Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina, Pressemeldung vom 21.01.2026

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