Insekten als nachhaltige Proteinquelle

  • 15.02.2026
  • Print-Artikel
  • Benedikt Jahnke
  • Berlianti Puteri
  • Christian Rung
  • Mirjam Busch
  • Simon Früh
  • Andreas Detzel
  • Rebecca Rüsch
  • Kathleen Oehlke

Peer-Review-Verfahren / Manuskript (Übersicht) eingereicht: 28.02.2025; Überarbeitung angenommen: 25.08.2025

Potenziale und Herausforderungen

Einleitung

Die Lebensmittelproduktion wird, mit dem voraussichtlichen Wachstum der Weltbevölkerung auf ca. 9,7 Mrd. im Jahre 2050, um etwa 70 % ansteigen müssen [1]. Die Auswirkungen des Klimawandels gefährden zusätzlich die globale Ernährungssicherheit. Der Lebensmittelsektor steht damit vor der Herausforderung, seine Umweltauswirkungen zu reduzieren und gleichzeitig die Menge der auf dem globalen Markt produzierten Lebensmittel zu erhöhen. Die Suche nach alternativen Nahrungs- und Proteinquellen mit geringeren Umweltauswirkungen ist dafür ein wesentlicher Baustein.

Insekten als Lebens- und Futtermittel werden als Teil eines Lösungsansatzes für die Herausforderungen der Ernährungssicherheit diskutiert. Die Insektenzucht ermöglicht nicht nur die Bereitstellung von Proteinen, sondern, unter Berücksichtigung der geltenden Futtermittelregularien, auch eine kreislauforientierte Verwertung von Nebenströmen aus der Lebens- und Futtermittelproduktion [2]. Während weltweit ca. 2100 essbare Insektenarten bekannt sind, wurden bislang der Mehlkäfer (Tenebrio molitor, Coleoptera: Tenebrionidae) im Larvenstadium (gelber Mehlwurm), die Wanderheuschrecke (Locusta migratoria, Orthoptera: Acrididae), die Hausgrille (Acheta domesticus, Orthoptera: Gryllidae, Heimchen) sowie Larven des glänzendschwarzen Getreideschimmelkäfers (Alphitobius diaperinus, Coleoptera: Tenebrionidae, Buffalowurm) als neuartige Lebensmittel in der EU zugelassen [3]. Die Produktion von Insektenproteinen erfordert eine Reihe sukzessiver Prozessschritte, die von der Aufzucht bis zur finalen Verarbeitung reichen (• Abbildung 1). Dabei umfasst die Futtermittelbereitstellung die Herstellung und den Transport der Futtermittel sowie die Konditionierung zu fertigem Substrat. Die Zucht findet in klimatisierten Räumen statt und unterteilt sich in Aufzucht der Junglarven, Mast sowie Reproduktion. Bei der Weiterverarbeitung können neben den dargestellten Schritten (Trocknung, Vermahlung, Entfettung, Proteinextraktion) auch andere Verfahren wie die Extrusion zum Einsatz kommen. ...

Abstract

Im Rahmen des NewFoodSystems-Projekts „Pr:Ins“ wurde die Produktion und Vermarktung von Larven des Mehlkäfers (Tenebrio molitor; Coleoptera: Tenebrionidae; Mehlwürmer) als alternative Proteinquelle in Bezug auf Qualität, Nachhaltigkeit und Verbraucherakzeptanz betrachtet. Die Forschungsergebnisse zeigen vielversprechende Entwicklungsmöglichkeiten. So weisen Mehlkäferlarven ein günstiges Nährwertprofil mit hohem Proteingehalt auf, können durch nachhaltige Produktionsmethoden, u. a. durch Nutzung von Nebenprodukten, umweltschonend produziert werden und stoßen bei etwa 45 % der Verbraucher*innen auf grundsätzliche Akzeptanz. Als Futtermittel kommen u. a. zahlreiche Nebenströme aus der Lebens- und Futtermittelproduktion in Frage, was aus ökologischer Sicht günstig ist, gleichzeitig den größten Kostentreiber darstellt. Zentrale Herausforderungen umfassen darüber hinaus die Optimierung von Produktionsprozessen und Verarbeitungstechnologien, den Umgang mit potenziellen Sicherheitsrisiken sowie die Entwicklung zielgruppengerechter Marketingstrategien. Hier sollten zukünftige Forschungs- und Entwicklungsarbeiten ansetzen, um das Potenzial von Mehlkäferlarven als innovative Proteinquelle vollständig zu erschließen.



Den vollständigen Artikel finden Sie auch in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 2/2026 auf den Seiten M78 bis M87.

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