Ernährungsumschau
Kühe im Stall. © Digital Vision. / Photodisc / Thinkstock
Viele Deutschen würden mehr Geld für Fleisch ausgeben, wenn dies die Umwelt schont und es den Nutztieren besser gehen würde. © Digital Vision. / Photodisc / Thinkstock

Fleischatlas 2018: Organisationen fordern staatliches Fleischsiegel

  • 11.01.2018
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  • Redaktion
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Die Heinrich-Böll-Stiftung, der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e. V. (BUND) und die deutsche Ausgabe der Le Monde Diplomatique haben am 10. Januar in Berlin den „Fleischatlas 2018 – Daten und Fakten über Tiere als Nahrungsmittel“ veröffentlicht. Darin kritisieren die Autoren eine handlungsunwillige Politik und fordern einen grundlegenden Umbau der Tierhaltung.

Die Zahlen und Grafiken im neuen Fleischatlas 2018 zeigen: Ein gesünderer Planet mit funktionierendem Klima- und Artenschutz basiert unter anderem auf weniger Emissionen, einer besseren Tierhaltung und einer geringeren Produktion von tierischen Produkten. Der BUND und die Heinrich-Böll-Stiftung werfen der Bundesregierung mit der Veröffentlichung des neuen Atlas Handlungsunwilligkeit vor und fordern, den Umbau der Nutztierhaltung endlich zu beginnen. Dazu gehöre auch, eine verpflichtende Kennzeichnung bei Fleisch einzuführen.

Der Atlas gliedert sich in insgesamt 20 Artikel mit Schwerpunkten von "Endlichkeit der Landwirtschaft" bis "Ideen für das Geld aus Brüssel". Die Macher wollen darin nach eigener Aussage nicht nur über die negativen Auswirkungen der Fleischproduktion informieren und Alternativen vorstellen, sondern auch zeigen, dass es die Verbraucher satt haben "von der Agrarindustrie für dumm verkauft zu werden".

Forderung nach gesetzlicher Kennzeichnungspflicht
Grafik zu Platz im Stall und Futter von Schweinen. © Fleischatlas 2018 von BUND, Heinrich-Böll-Stiftung, Le Monde Diplomatique
Auskunft über Platz im Stall und Futter: Ist eine Kennzeichnung nach dem Vorbild von Eiern die Lösung? © Fleischatlas 2018 von BUND, Heinrich-Böll-Stiftung, Le Monde Diplomatique

Einen Schwerpunkt bildet der Abschnitt "Label", in dem die Autoren die Vorgaben bereits existierender Initiativen der Fleischanbieter und der Regierung kritisieren. Sowohl die „Initiative Tierwohl“ (ITW), die unter anderem vom Bauern- und Raiffeisenverband, der Fleischwarenindustrie und der Geflügelwirtschaft initiiert wurde, wie auch das Vorhaben von Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt, für ein eigenes, freiwilliges Label zu sorgen, seien zu schwach.

Für mehr Transparenz dagegen könnte eine staatliche Kennzeichnung sorgen, die verpflichtend ist und sich etwa nach dem Vorbild der Eiererzeugung richtet. Hier zeigen die vier Kennzzeichnungsstufen von 0 für Ökoerzeugung bis 3 für Käfighaltung dem Verbraucher auf einen Blick, wie die Legehenne gehalten wird.

Für Fleisch schlagen die Autoren folgende Kennzeichnung vor: "0 für Bio, 1 für einen gesetzlich definierten Premiumstandard, 2 für ein darüber liegendes Niveau und 3 für die gesetzlichen Mindestanforderungen." Eine solche Information würde es den Verbrauchern erlauben, sich beim Einkauf für mehr Umweltschutz und Tierwohl zu entscheiden. Auch die Landwirte würden profitieren, denn wer derzeit besser produziere, als es der gesetzliche Standard vorschreibe, habe bislang keine Vorteile in der Vermarktung.

Quelle: BUND / Fleischatlas 2018

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