Ernährungsumschau
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Gluten kommt u. a. in den Getreidearten Weizen, Dinkel, Roggen und Gerste vor. © okskukuruza / iStock / Thinkstock

Ohne Magenspiegelung: Zöliakie bei Kindern über Bluttest zuverlässig diagnostizierbar

  • 14.07.2017
  • News
  • Redaktion

Üblicherweise werden bei Kindern mit Verdacht auf Zöliakie Blutuntersuchungen auf Auto-Antikörper sowie eine Magenspiegelung durchgeführt. Eine internationale Studie unter Beteiligung von 33 Kliniken in 21 Ländern zeigt nun, dass in über 50 Prozent der Fälle die Diagnose per Blutuntersuchung ausreichend zuverlässig ist.

Wer von der chronischen Dünndarmerkrankung Zöliakie betroffen ist, muss das Klebereiweiß Gluten lebenslang meiden. Gluten kommt in den Getreidearten Weizen, Dinkel, Roggen, Gerste und in handelsüblichem Hafer vor, sowie in den alten Weizensorten Einkorn, Emmer und Kamut (Khorasan-Weizen) vor. Zöliakie löst eine abnorme Reaktion des Immunsystems aus, wobei die Dünndarmschleimhaut durch Entzündungen stark geschädigt wird und sich die Zotten zurückbilden. Die Schleimhaut kann nicht mehr genügend Nährstoffe aufnehmen und es entstehen Nährstoffdefizite, die verschiedene Beschwerden auslösen können. Zu den Symptomen bei Kindern zählen unter anderem Wachstumsstörungen, Bauchschmerzen, Durchfälle, Eiweißmangel-Ödeme, Müdigkeit und Lustlosigkeit.

Für die Diagnosestellung veranlasst der Arzt eine Blutuntersuchung auf Auto-Antikörper gegen Gewebs-Transglutaminase (tTGA-IgA). Das sind Eiweißstoffe, die Immunzellen gegen körpereigenes Gewebe im Darm bilden. Sind sie erhöht, ist eine Zöliakie sehr wahrscheinlich. Um den Verdacht zu bestätigen, wird meist eine Magenspiegelung mit Biopsie aus dem oberen Dünndarm zum Nachweis der Darmschädigung vorgenommen. Bei Kindern wird die Untersuchung in Narkose durchgeführt.

Ist das Verfahren wirklich sicher?

Wie das Klinikum der Universität München berichtet, gab es bereits früher Hinweise darauf, dass bei Kindern mit sehr hohen tTGA-IgA-Werten im Blut (über dem Zehnfachen des Normwertes) Darmbiopsien verzichtbar sind, wenn bestimmte zusätzliche Kriterien erfüllt waren. Dazu gehörten das Vorliegen von für Zöliakie verdächtigen Beschwerden, der Nachweis weiterer Auto-Antikörper (EMA-IgA) sowie genetischer Risikomarker (HLA-DQ2/DQ8).

Die Europäische Gesellschaft für Kindergastroenterologie (ESPGHAN) schlug 2012 diese Kriterien für eine Zöliakie-Diagnose ohne Biopsien vor. Aber es herrschte große Unsicherheit – würde der Verzicht auf die Magenspiegelung zu falschen Diagnosen und unnützen Therapien führen? Um die neuen Kriterien auch in der klinischen Praxis auf den Prüfstand zu stellen, initiierten Prof. Dr. Sibylle Koletzko, Leiterin der Kindergastroenterologie im Dr. von Haunerschen Kinderspital, und ihre Mitarbeiterin Dr. Katharina Werkstetter im November 2011 die große multizentrische Studie ProCeDE. Insgesamt 33 Kliniken aus 21 Ländern sammelten prospektiv Daten, Labor- und Gewebeproben von mehr als 700 Kindern und Jugendlichen mit positiven Zöliakie-Autoantikörpern.

Die ProCeDE Studie konnte zeigen, dass die Kombination aus sehr hohen tTGA-IgA und positiven EMA-IgA in einer zweiten Blutprobe bei Kindern mit Symptomen eine sichere Zöliakie-Diagnose erlaubt. Die Zuverlässigkeit war unabhängig vom Land und dem verwendeten serologischen tTGA-IgA Test. Dabei kamen in den Kliniken zehn und bei Überprüfung im Zentrallabor acht verschiedene Tests zum Einsatz. Alle Patienten, die die Kriterien für eine Diagnose ohne Biopsien erfüllten (399/707), wiesen die genetischen Risikomarker auf, das heißt, ihre Bestimmung ist für die Diagnose überflüssig. Die Bestätigung der Auto-Antikörper in einer zweiten Blutprobe ist dagegen immer notwendig, um seltene aber mögliche Verwechslungen auszuschließen.

Ist der tTGA-IgA-Wert über die Norm erhöht, liegt aber unterhalb des Zehnfachen des Grenzwertes, wird nach wie vor die Durchführung der Magenspiegelung empfohlen. Die zusätzliche Bestimmung weiterer Antikörper, zum Beispiel gegen Deamidierte Gliadinpeptide (DGP), vermindert die Anzahl notwendiger Magenspiegelungen nicht und hat daher keinen Nutzen für den Patienten. 

Quellen:
Klinikum der Universität München
Deutsche Zöliakie Gesellschaft e. V


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