Ernährungsumschau
Masthähnchen auf Brett. © Monkey Business Images / Monkey Business / Thinkstock
Das BVL testete 130 Halshautproben bei Masthähnchenim auf Campylobacter. © Monkey Business Images / Monkey Business / Thinkstock

Lebensmittelüberwachung: Campylobacter lösen Salmonellen als häufigste bakterielle Erreger ab

  • 30.11.2017
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Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hat die Ergebnisse aus der Lebensmittelüberwachung 2016 in seinem Jahresbericht vorgestellt. Dieser zeigt, dass Geflügelfleisch zu häufig mit Campylobacter belastet ist. Aber auch beim Verzehr von Rohmilch aus Zapfautomaten sowie von Leber und leberhaltigen Produkten ist Vorsicht geboten.

Masthähnchen sind häufig mit dem Zoonoseerreger Campylobacter belastet. Wie das BVL berichtet, konnte bei den im vergangenen Jahr von den Überwachungsbehörden untersuchten Masthähnchen-Schlachtkörpern der Krankheitserreger in mehr als drei Viertel aller genommenen Halshautproben nachgewiesen werden. Konkret wurden 130 Halshautproben bei Masthähnchen im Rahmen des Zoonosen-Monitorings auf Campylobacter getestet. In 100 Fällen wurde der Erreger nachgewiesen. Bei 274 Proben wurden Keimgehaltsbestimmungen durchgeführt. Bei etwa einem Viertel der Proben lagen die Campylobacter-Keimzahlen laut BVL über dem ab nächstem Jahr EU-weit geltenden Prozesshygienekriterium von 1.000 koloniebildenden Einheiten pro Gramm (KbE/g).

Bei Salmonellen konnte bereits über EU-Maßnahmen konkrete Erfolge erzielt werden: Zwischen 2011 und 2016 konnten die Salmonella-positiv getesteten Haushaltsproben um mehr als 11 Prozent gesenkt werden, bei frischem Hähnchenfleisch ist die Kontaminationsrate mit Salmonellen von 7,6 Prozent im Zoonosen-Monitoring 2009 auf 4,7 Prozent im Jahr 2016 gesunken.  

Milch-ab-Hof enthält diverse Erreger

Die Behörde hat außerdem 304 Rohmilch-Proben aus sogenannten Milch-ab-Hof-Zapfautomaten untersucht, die bei Verbrauchern immer beliebter werden. Über koloniebildende Einheiten (KbE) wird die Gesamtanzahl der Mikroorganismen bestimmt. Frisch ermolkene Milch enthält unter anderem Streptokokken, Staphylokokken und Milchsäurebakterien. Gefunden wurde bei 58 Proben eine Gesamtkeimzahl von über 105 koloniebildenden Einheiten je Milliliter (KbE/ml). Die Anlagen sind somit nicht unbedenklich. Neben Campylobacter fanden die Prüfer auch Listerien und E. Coli. Milch-ab-Hof sollte daher vor dem Verzehr gut abgekocht werden. 

Schafleber fällt durch Dioxin-Belastung auf
Leber sollte allgemein nur in Maßen verzehrt werden. © Shaun Taylor / iStock / Thinkstock
Leber sollte allgemein nur in Maßen verzehrt werden. © Shaun Taylor / iStock / Thinkstock

Auch Rinder-, Schweine- und Lamm- beziehungsweise Schafleber wurden im Rahmen des Monitorings getestet. Allein durch den Verzehr von Leber nimmt ein Mensch im Mittel täglich zwischen 0,5 und 0,8 Milligramm Vitamin A auf. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) empfiehlt für Erwachsene zwischen 25 bis unter 51 Jahren für Männer 1,0 mg-Äquivalenta/Tag und für Frauen 0,8 mg-Äquivalenta/Tag. Diese Werte werden somit zumindest bei Frauen bereits durch den Verzehr von Leber vollständig erreicht. Auch wenn Leber in der Regel nur selten konsumiert wird, können bei unüblichen längerfristigen und hohen Verzehrmengen gesundheitsschädliche Folgen auftreten wie etwa Leberschäden und bei Schwangeren Fehlbildungen des Embryos.

Umweltkontaminanten wie Dioxine oder dioxinähnliche polychlorierte Biphenyle (dl-PCB) können sich in der Leber anreichern. Lamm- beziehungsweise Schafleber waren bereits bei vergangenen Monitoring-Untersuchungen durch erhöhte Belastungen aufgefallen. Eine längerfristige erhöhte Aufnahme dieser beiden Stoffe kann beim Menschen das Nerven-, Immun- und Hormonsystem schädigen und die Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigen. Bei den aktuellen Untersuchungen haben die Prüfer erneut erhöhte Gehalte gemessen. Die geltenden Höchstgehalte wurden bei fünf Prozent (Summenparameter für Dioxine) beziehungsweise sechs Prozent (Summenparameter für Dioxine und dl-PCB) der Proben überschritten. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hatte bereits 2014 daher generell vom Verzehr von Schafsleber abgeraten.

Spielzeug mit Nickel: 200-facher Wert über Grenzwert entdeckt

Die Lebensmittelüberwachungsbehörden haben sich darüber hinaus mit den Nickelgehalten in Metallspielzeug befasst. Von den 353 untersuchten Proben in 2016 überschritten 75 (21 Prozent) den geltenden Grenzwert von 0,5 µg/cm²/Woche für das Kontaktallergen. Nickel kann zum Beispiel zu Ausschlag führen, da beim Spielen mit Metall- und Modellbaukästen ein längerer Hautkontakt besteht. Bei einem untersuchten Baukasten lag der gemessen Nickelanteil sogar mehr als das 200-fache über dem Grenzwert. Die Befunde sind somit als besonders kritisch zu sehen. 

Quelle: BVL

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